World-Women: Dorothea Erxleben

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Bild: briefmarken-bilder.de/brd-briefmarken-1987/dorothea-erxleben-aerztin
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„Die Verachtung der Gelehrsamkeit zeigt sich besonders darin, dass das weibliche Geschlecht vom Studieren abgehalten wird. Wenn etwas dem größten Teil der Menschheit vorenthalten wird, weil es nicht allen Menschen nötig und nützlich ist, sondern vielen zum Nachteil gereichen könnte, verdient es keine Wertschätzung, da es nicht von allgemeinem Nutzen sein kann“, hält Dorothea Erxleben in ihrer Streitschrift fest. Heute, den 13.11. jährt sich der Geburtstag der unerschrockenen ersten deutschen Ärztin zum 299. Mal:

 

Dorothea Christiane Erxleben, geb. Leporin (13.11.1715-13.06.1762) legte als erste deutsche Frau die Promotion in Medizin ab. Damit bewies sie Mut und Unerschrockenheit, denn Frauen waren nicht zum medizinischen Studium und Praktizieren zugelassen.

Schon früh zeigte die Tochter des Arztes und Stadtphysikus von Quedlinburg Christian Polykarp Leporin eine naturwissenschaftliche Begabung. Beim Rektor und Konrektor der Quedlinburger Ratsschule studierte sie Latein, bei ihrem Vater Medizin und Naturwissenschaften. Parallel dazu erlernte sie die praktische medizinische Heilkunst, denn sie begleitete ihren Vater zu Patienten und  vertrat ihn in seiner Arztpraxis.

Dorothea Erxleben plante, ihr Studiumsverbot mit einem Medizinstudium zusammen mit ihrem Bruder zu umgehen. Seine Einberufung zum Militärdienst machte das zunichte. Der Beurlaubung zum Zweck des Studium folgte ein Wiedereinberufungsbefehl, dem er nur noch durch eine Flucht in kursächsisches Gebiet entgehen konnte. So praktizierte die Medizinerin ohne Zulassung in ihrem Heimatort Quedlinburg, sehr zum Ärger der dort ansässigen Kollegen. Dorothea Erxleben wehrte sich gegen die Angriffe mit der 1740 veröffentlichten Streitschrift: Gründliche Untersuchung der Ursachen, die das weibliche Geschlecht vom Studiren abhalten. Ein Jahr später erhielt sie ihre Zulassung zur Promotion an der Universität Halle direkt vom Preußenkönig Friedrich den Großen.

Zwischenzeitlich hatte die Ärztin den Witwer und Diakon Johann Christian Erxleben geheiratet und eine Familie mit seinen 5 Kindern und 4 leiblichen Kindern gegründet. Neben der Kindererziehung praktizierte sie weiter, 1747 übernahm sie die väterliche Praxis. Nach dem Tod einer ihrer Patientinnen an Fleckfieber reichten 3 Kollegen 1753 eine Beschwerde wegen Kurpfuscherei gegen sie ein. Wieder wehrte sich Dorothea Erxleben, indem sie von ihrem Promotionsrecht Gebrauch machte. Im Sommer 1754 legte sie mit großem Erfolg ihr Examen ab. Bis zum ihrem Tod im Alter von 47 Jahren arbeitete sie als Ärztin. Ihr Spezialgebiet war die Behandlung von Frauen und Kindern. Auch war sie  Leibärztin der Äbtissin des Stiftes Quedlinburg.

Erst 1899 wurden Frauen im deutschen Kaiserreich offiziell zur Staatsprüfung in Medizin, Zahnmedizin und Phamazie zugelassen. Studentinnen konnten sich sogar erst 1908/09 an der Universität einschreiben. Heute studieren 50 % Frauen Medizin.

Frauen im Gesundheitswesen auf Berlin-Woman

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