Berlin-Women: Schwarze Schokolade

Berlin-Women

Bild: http://www.chriswerner.de
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1979, die „Schokoladenfabrik Greiser & Dobritz“ in Berlin-Kreuzberg, ein seit Jahren leerstehendes Fabrikgebäude wird von Frauen besetzt. Hier soll ein Ort für Migrantinnen, körperlich und sozial Benachteiligte, Handwerkerinnen, Schülerinnen und Studentinnen entstehen. Die Künstlerinnen Rotraud Damerau v.d. Heide, Lisa Lancelle und Chris Werner sind mit dabei. Sie beginnen, die Fabrikräume künstlerisch in Besitz zu nehmen. 1982 gründen sie die Gruppe „Schwarze Schokolade“. Das Netzwerk greift den heutigen Fragen zur Kunst & städtischem und gesellschaftlichem Raum voraus. Die „schwarze Schokolade“ ist Avantgarde!

 

Dass die Schokofabrik in Berlin-Kreuzberg mal eine unwegbare Ruine war, ist kaum vorstellbar. Den Weg zum größten Stadtteilzentrum Deutschlands ebneten couragierte Künstlerinnen, die hier ihren experimentellen Arbeits- und Ausstellungsraum einrichteten. Die 4. Etage, das Dach, der Mariannenplatz und die Straßen rundherum wurden ihre Wirkungsstätten. Sie entwickelten eine Kunst, die aus feministischer Sicht den eigenen Körper, den eigenen Raum und den eigenen Freiraum in die Wahrnehmung rückte. Mit Körperkunst, Installation, Aktion, Recycling, Klangkunst, Musik, Film, Video und Performance grenzten sich die Kunstrebellinnen vom Einzelkämpfertum des patriarchalen Kunstbetrieb ab. Sie gründeten einen Verein und das Label schoko.prod©, unter dem sie mit Unterstützung des Berliner Kultursenats ihre Projekte realisierten.

Die Agenda der Schwarzen Schokolade ist reichhaltig, monatlich gab es mehrere Einzel- und Gruppenevents, die sich auch auf andere Städte wie Köln, Offenbach, Kassel und Bonn ausdehnten. Highlights waren u.a. die multimediale Nebelwanderung bei Vollmond mit einem transparenten erleuchteten Riesenkissen von Chris Werner (1982), das Frauenfilmfestival Ciné parallel zur Berlinale (1984), Die Wasser-Feuer-Installation mit Wasserbecken, Feuerbooten und Wasserfilmen von Rotraud Damerau v.d. Heide und Lisa Lancelle (1984), die Ateliervereisung Eiskuss von Lisa Lancelle und Chris Werner (1984/85), die IBA Straßeninszenierung mit Feuer, Akustik, Motorrädern, Spiegeln und Licht Still, still, still und leise – kein Stummfilm in der Naunynstraße (1985), die Gruppenpräsentationen Blau und Rot auf der FBK 1984 und 86 und die Kooperationen mit der interdisziplinären Begegnungsstätte für Künstlerinnen PELZE-multimedia Berlin.

1987 verließ die Schwarze Schokolade ihr Domizil, arbeitete aber als Netzwerk weiter. Neben den Gründerinnen: der Raum-, Performance- und Installationskünstlerin Rotraud Damerau v.d. Heide, der Aktions-, Installationskünstlerin und Mitbegründerin des Bonner Frauenmuseums Chris Werner und der Film- und Medienkünstlerin Lisa Lancelle zählten viele heute anerkannte Künstlerinnen dazu wie Catharina Cosin, Claudia Schmidt, Roswitha Baumeister, Renate Hampke, Petra Baumgardt, Ursula Bierther, Monika Funke Stern, Katharina E. Karrenberg, Anne Jud, Gerda Leopold, Ute Wigand und Lisa Schmitz.

2013 wurde eine Retrospektive der Schwarzen Schokolade im Bonner Frauenmuseum gezeigt.  Sie lieferte den Beweis, wie innovativ, avantgardistisch und vorausgreifend dieses Künstlerinnen-Netzwerk – gewesen – ist.

Berlin-Woman findet: Das muss weitergetragen werden!

Katalog: „Schwarze Schokolade. Schokolade-Zeit. Retraktuell 1982012/13. Eine Ausstellung zur Künstlerinnengruppe SCHWARZE SCHOKOLADE, schoko prod.©schokoladissimo, Berlin, Köln/Bonn, Frankfurt. Verlag Frauenmuseum Bonn 2012/13, ISBN 978-3-940482-58-7 oder hier zu bestellen.

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