WE mit Berlin-WoMan: Die Liebe

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Die Liebe: sinnlich erotisch, freundschaftlich oder selbstlos. Schon in der Antike kannte man die Komplexität dieser urmenschlichen Emotion. Seitdem bewegt die Liebe die Menschheit. Immer wieder und immer wieder neu wird sie erforscht, beschrieben, besungen und definiert … Hier ein kleiner Überblick:

 

Die Antike kannte 3 Grundbegriffe der Liebe: Eros, die Leidenschaft und das Begehren, Philia, die Freundschaft und Agape, die Nächstenliebe. Die Komplexität dieser Emotion zeigte sich auch bei den antiken Liebesgöttinnen. Die griechische Aphrodite und die römische Venus bewältigten die Liebesaufgaben nicht alleine sondern hatten ihre Gehilfen Eros bzw. Amor an ihrer Seite. Im Laufe der Zeitalter kamen weitere Gefühls-Facetten hinzu. Ludus wurde die spielerisch-sexuelle Liebe, Mania die besitzergreifende und Pragma die Vernunftliebe. Begriffe, die uns heute teilweise aus der Psychologie vertraut sind.

Ethymologisch heißt Liebe so viel wie: Gutes, Angenehmes, Wertes oder gern und begehren. Bemerkenswert ist, dass die Erwiderung dieses starken Gefühls keine Rolle spielt, denn wahre Liebe geht weit über einen Nutzwert hinaus. Idealerweise mündet sie in einer freiwilligen Beziehung zwischen (2) Personen, die sich gar nicht bewusst oder rational füreinander entschieden haben müssen. Irrational muss die Liebe dennoch nicht sein. Schon Hegel wies auf die wechselseitige Anerkennung in der Liebe hin, die Liebe als triebfreie, platonische Zuwendung.

Trotz allem kann die Liebe mit starken Empfindungen daherkommen. Wir alle kennen die Blicke, das Herzklopfen, das Erröten und, wenn die Liebe auf Gegenseitigkeit stößt, die Zärtlichkeiten, die Küsse und die sexuellen Leidenschaften. Für diese rauschartigen Zustände sorgen Dopamin und Adrenalin, für die sexuellen Gelüste das Testosteron. Die Verliebtheit, die im Hirn durch endogene Opiate erzeugt wird, kann bis zu 3 Jahren anhalten.

Jenseits des weltlichen Liebesschauder verstehen Ethik, Christentum und Philosophie die Liebe als Kontemplation über Gott und Natur oder als Caritas, die sorgende, mystische und soziale Liebe. Das krasse Gegenstück dazu ist die Selbstliebe, die einerseits die Fähigkeit zum Lieben voraussetzt. Erich Fromm hielt die Selbstlosigkeit sogar als nicht zur Liebe fähig. Andererseits führt eine überhöhte Eigenliebe zum Narzissmus, der jede Liebe zerstört.

Das Mittelalter kennt das Ideal der höfisch-romantischen Liebe, bei der Verehrung und Gegenliebe nicht unbedingt die körperliche Nähe erreichen mussten. Überhaupt gehören Liebe und Sexualität ebenso wenig zusammen wie Liebe und Exklusivität. Letztes ist ein Modell der westlichen, christlichen Kulturen, dem die Polyamory, die Liebe zu mehreren Partner/innen, gegenübersteht. In den 68ern wurde die Liebe zum Politikum, man lebte sie frei in WGs und Kommunen aus, machte sie zum Motto der Antikriegs- und Friedensdemos. „Make love not war“ ist zum zeitlosen Slogan geworden.

Aktuell dreht sich die Diskussion um die Medialisierung der Liebe. Was machen der Skype-Flirt, die Facebook-PN, die Instagram Fotoserien mit der Liebe? Ersetzen können sie die analoge Zuneigung nicht. Wer sie aber wie einen Liebesbrief oder Liebesschwur annimmt, hat schon gewonnen. Denn so können wir eines der schönsten Gefühle der Menschheit rund um den Erdball senden, aufrecht erhalten und damit eine ganz neue Art der Liebestreue praktizieren.

Make love, not war and have a lovely weekend!

Das Glück auf Berlin-WoMan

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