World-Women: Niki de Saint Phalle

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Niki de Saint Phalle trägt sich in das Stadtbuch von Hannover ein, Foto: © Hassan Mahramzadeh, Bild: hannover.de
Niki de Saint Phalle trägt sich in das Stadtbuch von Hannover ein, Foto: © Hassan Mahramzadeh, Bild: hannover.de

„Ich war eine zornige junge Frau, doch gibt es ja viele zornige junge Männer und Frauen, die trotzdem keine Künstler werden. Ich wurde Künstler, weil es für mich keine Alternative gab …“ Die Schöpferin der berühmten überlebensgroßen Nana-Figuren, Niki de Saint Phalle, hatte ein schwerwiegendes Kindheitstrauma zu überwinden. Die Kunst war ihre Rettung.

 

Niki de Saint Phalle (29.10.1930-21.05.2002), bürgerlich: Catherine Marie-Agnès Fal de Saint Phalle ist eine weltberühmte französisch-schweizerische Malerin und Bildhauerin. Sie wuchs in den USA auf und besuchte 1936-1945 die Klosterschule Sacré-Cœur in New York. Als 11Jährige erlitt sie ein schweres Trauma, ihr Vater vergewaltigte sie. Nach einer kurzen Modelkarriere heiratete sie 1948 ihren Jugendfreund Harry Mathews, mit dem sie nach Paris ging und von dem sie sich 1960 wieder scheiden liess. Das Paar hat 2 Kinder.
Nach einem psychischen Zusammenbruch begann Niki de Saint Phalle 1953 mit der Kunst und machte darin eine großartige Karriere. Nachhaltig inspirierte sie Antoni Gaudi, dessen Architektur sie bei einem Aufenthalt in Spanien für sich entdeckte. 1956 begegnete sie Jean Tinguely, 1971 heirateten die beiden Künstler.

Zunächst entwickelte Niki Schießbilder aus weißen Gipsreliefs, in die Farbbeuteln eingearbeitet waren. Schoss man auf sie, ergoss sich die Farbe über eine Bilderleinwand. 1962 wandte sich die Künstlerin ihrem eigentlichen Thema, dem Frauenbild zu. 1964 entstanden die ersten Nanas., üppige, monströse, weibliche Archetypen aus Polyester mit reinbunten Farben bemalt, die sich als kreativ-ironische Antwort auf die traditionelle weibliche Rollenzuweisung verstehen.

Ab 1965 gestaltete Niki de Saint Phalle Skulpturen im öffentlichen Raum u.a. für die Peter Stuyvesant Zigarettenfabrik in Zevenaar, für das Stockholmer Moderna Museet: eine 29 m lange durch die Vulva begehbare Nana-Skulptur mit einer Bar und einem Kino, für den französischen Pavillon auf der Expo in Montreal, für das Leineufer der Stadt Hannover und für die Grotten im Großen Garten in Hannover Herrenhausen. Gemeinsam mit Tinguely baute sie den Strawinsky Brunnen vor dem Centre Pompidou in Paris. 1979 erfüllte sie sich ihren Traum, einen ganzen Park selbst zu gestalten. Im südtoskanischen Capalbio bei Grosseto schuf sie den Tarotgarten mit 20 begehbaren und bewohnbaren Plastiken, der zum Touristenmagnet geworden ist.

Parallel zu den Großaufträgen malte die Künstlerin Köpfe, Paare, alles verschlingende Mütter, machte Filme, Kostüme und Bühnenbilder, Schmuckstücke, ein Parfüm, Möbel, Gebrauchsgegenstände, ein Aufklärungsbuch über AIDS und verfasste ihre Autobiographie. Auch erstellte sie ein großes Konvolut an Graphiken, Poster und Texte zu den Nanas.

Niki de Saint Phalle war auf Ausstellungen in der ganzen Welt vertreten. 1994 wurde ihr Museum im japanischen Nasu eröffnet, 2000 wurde sie Ehrenbürgerin der Stadt Hannover und überließ dem Sprengel-Museum 400 Werke, 2001 stiftete sie dem Musée d’art moderne et d’art contemporain in Nizza weitere 170 Arbeiten. 2002 starb sie im Alter von 71 Jahren in Kalifornien. Dort wurde 2003 der Garten Queen Califa‘ s magical circus von Escondido mit 9 neuen Skulpturen eröffnet. Gestern wäre die Künstlerin 84 Jahre alt geworden. Berlin-Woman gratuliert!

Niki de Saint Phalle

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