Ausstellung: Haut ab! Haltungen zur rituellen Beschneidung. Jüdisches Museum Berlin

jüdisches Museum, Berlin-Kreuzberg

Haut ab auf Berlin-Woman

Beschneidung! Wer genau wissen will, worum es dabei geht, ist in der sehr informativen Ausstellung „Haut ab!“ richtig. Thema ist die rituelle Beschneidung von Männern. Die Schau greift die Debatte um die Beschneidung und das Urteil des Kölner Landesgerichts von 2012 auf, das den Eingriff als strafbare Körperverletzung bewertete. Nun wird im jüdischen Museum Berlin das Ritual Beschneidung aus kunsthistorischer, religiöser, ritueller und nicht zuletzt amüsanter Sicht vorgestellt. Ein Besuch lohnt sich:

 

Bei der Beschneidung wird die Vorhaut am Penis gekürzt oder entfernt. 1/3 aller Männer weltwelt sind beschnitten, 70 % sind es in den USA. Das Ritual hat viele Bedeutungen und wird von vielen Ängsten, Tabuisierungen und Klischeevorstellungen begleitet.

Rund 60 Objekte: uralte Judaica, ein antiker Beschneidungsstuhl, ein altes Beschneidungsgewand, ein prachtvoll dekoriertes Beschneidungsbesteck, das Beschneidungsbild vom Tucher-Altar und auch ein Einmal-Beschneidungsbesteck veranschaulichen das vielschichtige Ritual. Ergänzend dazu kann man sich noch einmal die Beschneidungsdebatte von 2012 und Folgen aus verschiedenen US-amerikanischen Serien zum Thema anschauen, die nicht auf antisemitische und homophobe Anspielungen verzichten.

Das Ausstellungszentrum bildet ein riesiger runder Tisch, um den sich die Räume über die Beschneidung im Judentum, Islam und Christentum gruppieren. Im Judentum ist es der Bund mit Gott, der am 8. Tag nach der Geburt eines Sohnes geschlossen wird. „Beschneide das Fleisch Deiner Vorhaut und sei makellos“, heißt es dazu im 3. Buch Mose. Bei den Muslimen hat das Beschneidungsfest auch großen Unterhaltungswert. Im begleitenden Schattentheater wurde satirisch aufgezeigt, wie Prinz Schwarzauge (Karagöz) im Erwachsenenalter beschnitten wird. Und die beschnittenen Jungen werden, wie die Fotoserie von Henning Christoph aus den 1970er und 80er Jahren „Türken im Ruhrgebiet“ aufzeigt, als kleine Prinzen ausstaffiert. Das Christentum hingegen steht bis heute im Zwiespalt zur Beschneidung. Denn Christus als Jude war aller Wahrscheinlichkeit nach beschnitten, was, wie ein Witz sagt, sein Leinentuch verdecken sollte.

Im Raum Auf des Messers Schneide lässt sich anhand von 6 Skulpturen aus der Zeit des antiken Ägypten bis heute genau nachsehen, wie ein Penis beschnitten bzw. unbeschnitten ausschaut. In der Ausstellung Haut ab! Haltungen zur rituellen Beschneidung darf geguckt werden. Die Schau spielt mit dem Voyeurismus, der dem Beschneidungsthema innewohnt. Das machen nicht zuletzt die  Fotoarbeiten der Künstler Stephen Cohen und Harley Swedler klar, auf denen sie ihr bestes Stück mit einem Davidstern bzw. mit der deutschen, türkischen und israelischen Nationalflagge dekorieren.

Hut ab vor der mutigen Schau!

Haut ab! Haltungen zur rituellen Beschneidung, Jüdisches Museum Berlin, Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin, Mo: 10:00-22:00 Uhr, Di-So: 10:00-20:00 Uhr, 8/3 €, 24.10.2014-01.03.2015

Jüdisches Museum

4 Gedanken zu „Ausstellung: Haut ab! Haltungen zur rituellen Beschneidung. Jüdisches Museum Berlin

  1. Sehr geehrte Damen u. Herren,
    die in ihrer Sexualität beeinträchtigten Beschnittenen u. wohl auch sonst unter ihrem Zustand entsetzlich leidenden Hannes u. Peter Salewsky sind zu bemitleiden. Ich selbst bin als Kind beschnitten worden u. habe nie dergleichen erfahren wie diese bedauernstwerten Männer.
    Für mich ist, was die vorbringen, nichts als heuchlerischer Juden- u. Moslemhaß. Die jüdische Religion u. der Islam sind „semitische“ Religionen, weshalb Juden- u. Moslemhaß mit dem rassistischen Begriff „Antisemitismus“ bezeichnet werden. Und die Basis der christlichen Religion(en) ist der Judenhaß, weshalb ich es entsetzlich finde, daß „Kindern u. Säuglingen“ hierzulande ihre Religions-Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit mit Gewalt aufgezwungen wird u. daß kleinste Kinder durch den Staat christlich zwangsindoktriniert werden wie in einem totalitären Terrorstaat. (Ob die „Mütter u. Väter“ des Grundgesetzes an Juden gedacht haben, mag sein, ganz sicher aber an die beiden christlichen Haupt-Religionen u., da es islamischen Religionsunterricht an staatlichen Schulen nicht gibt, bzw. erst seit ganz kurzer Zeit, ganz gewiß nicht an Moslems)
    Mit freundlichem Gruß,
    Bün

  2. „Thema ist die rituelle Beschneidung von Männern. “

    Was?
    Es geht um die Vorhautamputationen an männlichen Kindern oder Säuglingen!
    Der allergrößte Teil der aus den unterschiedlichsten Traditionen heraus vorhautlosen Männer weltweit hatte nie eine Wahl.

    Aber wenn religiöse und kulturelle Traditionen so wichtig sind, dass die Rechte auf körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung zurückstehen müssen, dürfen Mädchen da nicht länger diskriminiert werden:

    Wann kommt endlich die Ausstellung, die allen die lange, lange Tradition reduktiver Genitaloperationen an kleinen Mädchen nahebringt, da gibt es ja auch viele Formen, die mit den Eingriffen am Jungen vergleichbar oder sogar weniger invasiv sind.
    Das lässt sich sicher auch „amüsant“ aufarbeiten.

  3. Ich frage mich ernsthaft, warum dieses Thema nicht ehrlich behandelt werden kann:
    – Sie schreiben von der Beschneidung von Männern. Tatsächlich geht es hier jedoch darum, dass die Genitalien von Kindern und Säuglingen beschnitten werden.
    Warum diese Verharmlosung?
    – Sie empfehlen diese Ausstellung für alle, die es genau wissen wollen. Nur wird in dieser Ausstellung nicht erwähnt, welche zahlreichen Funktionen die Vorhaut besitzt, welcher Verlust dies für den Jungen und späteren Mann bedeutet, welche Folgen und Komplikationen dabei zwangsläufig auftreten bzw. möglich sind. Es wird geflissentlich verschwiegen, dass Säuglingen dieser Eingriff ohne Betäubung zugemutet wird, da man – ich denke, darin sind wir uns einig – einen Schluck Rotwein, Paracetamolzäpfchen und EMLA-Salbe für die Amputation des empfindlichsten Teils am Penis nicht als tauglich bezeichnen kann.
    Es ist auch nicht die Rede davon, dass die Zahl der Männer, die sich weltweit gegen dieses Ritual stemmen, immer größer wird, dass geschätzte 200.000 Männer weltweit ihre Vorhaut mühsam wiederherzustellen versuchen.
    Warum ist diese Ausstellung so einseitig? Und warum wird von Ihnen nicht kritischer hinterfragt und recherchiert?

    Würden Sie eine Ausstellung zur Genitalverstümmelung von Mädchen auch lobend erwähnen, den Witz und den Mut der Macher hervorheben?
    Ist Ihnen bewusst, dass allein in den USA pro Jahr ca. 100 Babys daran sterben?

    Mit dieser Ausstellung hat sich die jüdische Gemeinde ein Eigentor geschossen. Denn sie klärt nicht auf, sie täuscht, verharmlost und verfälscht. Meiner Meinung nach ein schwerer Fehler.

  4. „Thema ist die rituelle Beschneidung von Männern.“
    Falsch. Es geht nicht um Männer, sondern um Kinder und Säuglinge, die nicht gefragt werden (und auch gar nicht sinnvoll entscheiden könnten), ob sie diese irreversible Änderung ihres Genitals überhaupt wollen.

    „Nun wird im jüdischen Museum Berlin das Ritual Beschneidung aus […] nicht zuletzt amüsanter Sicht vorgestellt.“

    So, so, es ist also amüsant, wenn Menschen in ihrer Sexualität beeinträchtigt werden. Ob Frau Muysers eine entsprechende Ausstellung zur weiblichen Genitalverstümmelung (deren leichte Form – die sog. milde Sunna – weniger invasiv ist als die Entfernung der Penisvorhaut) auch amüsant fände?

    „Hut ab vor der mutigen Schau!“
    Mutig? Was, bitte, soll daran mutig sein? Ich finde es eher widerlich!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.