Berlin-Women: Alexandra Goy, Verleihung des Bundesverdienstkreuz am 28.10.2014

Berlin-Women

Alexandra Goy mit einem Portrait von Lotte Laserstein
Alexandra Goy mit einem Portrait von Lotte Laserstein

Frauenhaus, Schutz vor sexueller Belästigung, Feministischer Juristinnentag, das verborgene Museum, das sind nur einige Meilensteine im Wirken von Alexandra Goy (*1944), eine der ersten feministischen Rechtsanwältinnen der BRD. Die unerschrockene Juristin, die sich seit den 1970er Jahren für das Recht der Frauen einsetzt, erhält am 28.10.2014 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

 

Alexandra Goy ging Mitte der 1960er Jahre zum Jurastudium nach Freiburg. Hier prallte ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn mit der Verharmlosung der Naziverbrechen durch die ehemals nationalsozialistischen Professoren zusammen. Ein Grund für die angehende Rechtsanwältin und Notarin, sich der Studentenbewegung anzuschließen, 1967/68 nach Frankfurt/M. zu wechseln und gegen den Vietnamkrieg und die Notstandsgesetze zu demonstrieren.

Es folgten das Referendariat in Berlin, die Anwaltsstation in Paris und die Gründung des „Stadtteilbüros“ in Berlin 1974. Hier verteidigte Alexandra Goy Demonstranten, Hausbesetzer und Anhänger der Bewegung 2. Juni. Dann kämpfte sie für die Gründung eines Frauenhauses, das 1976 nach dem Vorbild des Londoner Zufluchtshauses „Erin Pizzey“ eröffnet wurde. Immer häufiger vertrat sie Frauen als Zeugin und Verletzte in Strafverfahren wegen Vergewaltigung. 1977 gründete sie ein feministisches Anwältinnenkollektiv, das sich auf die Vertretung der von physischer, psychischer und sexueller Gewalt betroffenen Frauen und die Öffentlichmachung dieser unterschiedlichen Gewaltformen spezialisierte. Im selben Jahr rief Alexandra Goy gemeinsam mit Kolleginnen das Jurafrauentreffen ins Leben, aus dem 1985 der feministische Juristinnentag wurde. Der neue rechtliche Diskurs schob die Antigewaltproteste, Selbsthilfeprojekte und die Enttabuisierung des sexuellen Missbrauchs von Mädchen in der Familie an.

In den 1990er Jahren beteiligte sich Alexandra Goy maßgeblich an der Reformdebatte zum § 177 StGB: der Strafbarkeit von ehelicher Vergewaltigung und der Änderung des Gewaltbegriffs. Dabei kritisiert sie, dass das Menschenrecht auf sexuelle Autonomie bis heute keine politische Anerkennung gefunden hat. Im „Berliner Gynäkologenprozess“ 1984-1986 erregte sie öffentliches Aufsehen, weil ihre Mandantin aus der ihr zugewiesenen Opferrolle heraustrat, und sie selbst als Nebenklagevertreterin das System sexueller Übergriffe am Arbeitsplatz, die Blindheit der Strafgerichte gegenüber der Gewalt gegen Frauen und die frauenfeindlichen Prozessstrategien der Verteidiger aufdeckte. In dem Zusammenhang führte sie das Thema der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz und des Beschäftigtenschutzgesetzes in die deutsche Rechtssprechung ein.

Auch mit der Kunst zeigt sich Alexandra Goy kämpferisch. Sie gründete das Verborgene Museum mit, das sich bis heute die Beachtung der Kunst von Frauen auf dem Kunstmarkt und im Museumsbetrieb auf die Fahnen geschrieben hat. Vorbild der Juristin ist Simone de Beauvoir, die wie sie oftmals im Widerspruch zur Politik der Herrschenden dachte und handelte.

Ein sehr guter Grund für den Bundespräsidenten, Alexandra Goy das Bundesverdienstkreuz zu verleihen!

Übergabe des Bundesverdienstkreuzes an die Rechtsanwältin ALEXANDRA GOY (Vorstand Das Verborgene Museum e.V.) durch die Senatorin Dilek Kolat am 28.10.2014 im Verborgenen Museum.

Ein Gedanke zu „Berlin-Women: Alexandra Goy, Verleihung des Bundesverdienstkreuz am 28.10.2014

  1. Eine großartige u. wichtige Leistung für alle Frauen…. meinen herzlichen Glückwunsch an Frau Goy.
    Lilo Rödder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.