Frauen im Militär, gestern und heute

Frauen im Militär

Amazone in Hosen mit Schild und Köcher (attisches Alabastron, um 470 v. Chr.), Bild: de.wikipedia.org
Amazone in Hosen mit Schild und Köcher (attisches Alabastron, um 470 v. Chr.), Bild: de.wikipedia.org

Frauen in der Bundeswehr – ein heißes Eisen, wie Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im September mit ihrer verunglückten Werbeaktion feststellen musste. Dabei führten schon im Alten Ägypten Frauen ganze Armeen an, in Afrika kämpften Amazonen- und in China Frauenarmeen. Aktuell erheben die kurdischen Fraueneinheiten (YPJ) gegen die IS in Syrien und im Irak die Waffen. Berlin-WoMan hat nachgeschaut, wie es sich mit Frauen im Militär weltweit verhält:

 

Im 20. Jahrhundert war der Militärdienst für Frauen vielerorts verboten. Nur, wenn, wie in den Weltkriegen, „Not am Mann“ war, rief man das schöne Geschlecht. So die britische Women’s Royal Air Force im 1. Weltkrieg, die amerikanischen Soldatinnen im 2. Weltkrieg oder Frauen zum Kampfeinsatz im letzten Kriegsjahr im Nazideutschland. Frauen kämpften aber auch im Widerstand, wie 1000e von polnischen Soldatinnen gegen die Besetzung durch die Nazis.

Nach 1945:

Die USA, die auf eine Soldatinnentradition seit dem Unabhängigkeitskrieg (1775–1783) und dem Einsatz des Women’s Army Corps (WAC), der WAVES, der Women Airforce Service Pilots und der United States Marine Corps Women’s Reserve zurückblicken konnte, gewährte Frauen schon 1948 wieder den Zugang zu allen Streitkräften. Im Golfkrieg waren 1000e von weiblichen Militärs im Einsatz. Heute beträgt der Frauenanteil ca. 15 %.

Seit der Gründung 1948 gibt es im Staat Israel die allgemeine weibliche Wehrpflicht. Aber erst 2005 wurden den Frauen 83 % der militärischen Dienstposten zugänglich. Heute sind 33 % Frauen im Dienst.

Schweden öffnete in den 1980er Jahren den Militärdienst für Frauen. Insgesamt sind dort 18 % Frauen tätig.

Großbritannien schickte seine Frauen 1943 über die Women’s Royal Air Force in den Krieg, integrierte sie aber erst 1994 als gleichberechtigte militärische Dienstleisterinnen. Der Frauenanteil beläuft sich heute auf 11,2 %.

In Frankreich sind die Frauen seit 1995 voll anerkannte Militärangehörige. Bis auf U-Boot-Einsätze und Aufstandsbekämpfung stehen ihnen alle Wehrarbeiten offen. Insgesamt dienen 19 % Frauen in der französischen Armee.

Mit der Verfassungsänderung 2001 bildet Deutschland die Nachhut bei der Zulassung von Frauen zu den militärischen Laufbahnen der Bundeswehr. Aktuell leisten ca. 19.000 Soldatinnen Dienst. Diese knapp 10 % möchte Ursula von der Leyen auf 15 % aufstocken.

Weibliche Wehrpflicht besteht in: Bolivien, Burma, China, Elfenbeinküste, Eritrea, Israel, Kuwait, Libyen, Malaysia, Nordkorea, Sudan, Taiwan und Tschad. In Norwegen wird es die Wehrpflicht für Frauen 2015 geben.

Trotz der Defizite in  Anatomie, Muskelaufbau und Kraft halten Frauen die militärischen Belastungen durch. Sie marschieren, kämpfen und händeln die Waffen „wie ein Mann“. Eine Frau, die sich für den Militärdienst entscheidet, ist kämpferisch. Sie widerspricht dem Bild der Frau als per se friedfertig und pazifistisch. Verteidigung, Kampf, Zerstörung und Mord gehen auch auf weibliche Konten. Ob wir wollen oder nicht, auch das ist Emanzipation!

Ein Gedanke zu „Frauen im Militär, gestern und heute

  1. Defizite in der Anatomie, dem möchte ich mal ganz herzlich widersprechen. Und bei diesen ganzen modernen Hochleistungswaffen, Drohnen etc. kommt es wohl eher auf die Gehirn-Anatomie an als Muskelausstattung? Aber das Gehirn sollen SoldatInnen ja möglichst ausschalten, dachte ich immer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.