Die Kunst der totalen Entschleunigung: Public Walk mit Hamish Fulton am So, 21.09.2014 (mit Bildstrecke)

Walking East – Walking West

©Berlin-Woman
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Was ist ein Public Walk? Das wollte Berlin-WoMan genau wissen und machte gestern, den 21.09.2014 bei der Großperformance des Walking Artist Hamish Fulton „Walking East – Walking West“ mit. Rund 400 Teilnehmer/innen waren zur Straße des 17. Juni gekommen:

Bildstrecke: Wegmarkierung 1, Hamish Fulton, Wegmarkierung 2, Wartezeit, Walking East -Walking West

 Walking East – Walking West: die Vorbereitungen

Gerechnet wurde mit 800, aber allein die anwesenden 400 Personen „in die Reihe“ zu kriegen, war eine Kunst. Mit der Online-Anmeldung zum „Walking East – Walking West“ erhielten alle einen Zeit- und Lageplan. 2 Stunden vor dem Start musste man vor Ort sein, bekam ein gelbes bzw. grünes Bändchen ums Handgelenk und wurde zum Standort auf der Straße des 17. Juni geleitet. Dann passierte erst mal nichts weiter. Zeit, um sich mit den Gehwegmarkierungen in Form von kurzen weißen Querstrichen anzufreunden. Später erklärten nette, neongestreifte Helferinnen per Megaphon den Ablauf: beim 1. Gongschlag um kurz vor 14:00 Uhr einnehmen der Startposition auf einem der Querstriche, beim 2. Gongschlag um punkt 14:00 Uhr losgehen, langsam, immer in Bewegung und im angemessenen Abstand zum Nachbarn und bis 15:00 Uhr. Hm, war das alles und etwa schon wieder so ein semiprofessionelles Berliner Event?

Walking East – Walking West: das Event

Aber nein, denn 13:30 Uhr wurden die Teilnehmer/innen stringent in die Ost- und die Westreihe sortiert. Hamish Fulton führte die Ostreihe an. Der 1. Gongschlag, der 2. und los. Sofort wurde es still, alle vertieften sich in die Schritte und Bewegung der Reihe. Rundherum der brausende Verkehr, Freunde winkten vor der Absperrung, ein Kamerateam der Abendschau filmte. Das war weit weg, das gemeinschaftliche Gehen hatte uns absorbiert. Auf der Mitte passierten die 2 Reihen. So gab es ab einem bestimmten Zeitpunkt Entgegenkommende. Begegnungen mit alten, jungen, großen, kleinen, armen, reichen, grauen und bunten Menschen. Manche lächelten, andere schauten versonnen. Da ist ja meine Facebookfreundin Sabine und da eine Studienkollegin, die ich 20 Jahre lang nicht gesehen habe. Gemeinsam war uns, dass wir uns aus dem Stadtgeschehen ausgeklinkt hatten und buchstäblich „in eine andere Zeit hineingegangen“ waren.

Walking East -Walking West: die totale Entschleunigung

Plötzlich, wieder der 1. Gong zum Halten und der 2. Gong zum Abschluss der Aktion. Was, die 60 Minuten sollen schon vorbei sein?  Die 2 Reihen lösten sich auf, man ging auseinander, der Public Walk war vorbei und man machte sich auf den Weg zur anschließenden Klimademo am Brandenburger Tor. Mit einem Gefühl von Gemeinschaft, Stille, Power  und der totalen Entschleunigung.

Thank you, Hamish Fulton and let´s do it again!

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