WE mit Berlin-WoMan: kleine Kulturgeschichte des Fächers

die blaue Stunde

Bild: http://de.academic.ru
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Bei dem Wetter hilft nur eins: kühle Luft, und die gibt es mit einem Fächer! Das „systematisch geordnete Handbuch der Ornamentik zum Gebrauche für Musterzeichner, Architekten, Schulen und Gewerbetreibende sowie zum Studium im Allgemeinen“ von 1927 informiert – u.a. – über die Entwicklungsgeschichte dieses phänomenalen Gegenstands. Hier erfahrt ihr sie: 

„Das interessanteste der Toilettengeräte ist unstreitig der Fächer (von focarius=Blasebalg). Historisch nachweisbar ist derselbe seit 3 Jahrtausenden ununterbrochen, wenn auch nicht immer gleich häufig, in Gebrauch. Der Fächer allein würde schließlich genügen, um ein geschichtliches Bild des Kunstgewerbes aller Zeiten nach künstlerischer und technischer Seite hin zu geben. Der Zweck des Fächers ist ein 2facher. Er wird benutzt 1., um dem Antlitz Kühlung zuzufächeln, 2. um die Fliegen und andere Insekten abzuwehren … Gelegentliche Nebenzwecke des Fächers sind sein Gebrauch zum Anblasen des Feuers (z.B. im alten Persien, wo das Anblasen des Feuers mit dem Munde aus religiösen Gründen verboten war) und als Würdezeichen bei kirchlichen und höfischen Zeremonien …“

Der Fächer wird geschnitzt, bemalt, mit Vexierbildern, Spitze- und Spiegeleinlagen geschmückt. Es gibt:

  • den Wedelfächer: An einem Stiel oder Griff sitzt ein festes Blatt. Er wurde bereits in der Antike eingesetzt.
  • den Fahnenfächer: An einem Stiel oder Griff ist ein bewegliches Blatt als „Fahne“ angebracht.  Er fand im Mittelalter und der Renaissance Verbreitung.
  • den Radfächer: An einem Stiel oder Griff ist ein Rechteck aus Papier, Seide oder anderem Material so befestigt, dass es sich zusammenfaltet und im Kreis wieder auseinanderbreitet. Er ist seit dem Mittelalter bekannt.
  • den Lamellenfächer: Einzelne Lamellen aus festem Material sind an einem Ende an einem Stift befestigt, am anderen mit einem Band verbunden, so dass sie sich auffächern können.  Er kam im 17. Jahrhundert auf.
  • den Faltfächer. Er wird aus einem Faltblatt aus Seide oder Papier beliebig zusammen- oder auseinandergefaltet. Im 17./18. Jahrhundert war er groß in Mode.

Zitiert aus: Franz Sales Meyer, Handbuch der Ornamentik, Verlag E.A. Seemann in Leipzig 1927, S. 451-457

Cool down and have a great Saturday!

Demnächst hier: die Sprache des Fächers

Ein Gedanke zu „WE mit Berlin-WoMan: kleine Kulturgeschichte des Fächers

  1. Danke für die Infos, auf die Fächersprache bin ich besonders gespannt. Gerade gestern sah ich eine Flamenco-Vorführung, wo dieses Utensil ebenfalls sehr reizvoll eingesetzt wurde…
    liebe Grüße
    p.s. für den laptop habe ich einen Ventilator , der über USB läuft – der moderne Fächer, nicht wahr?
    Sabeene

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