Slow down mit Berlin-WoMan – die Kronos-Zeitmaschine (U9-Rathaus Steglitz oder Künstlerhaus-Bethanien)

Berlin-Kreuzberg/Steglitz

Bild: www.kronos-projekt.de
Bild: www.kronos-projekt.de

 

 

 

 

 

 

 

Zeit, Zeit, Zeit. Entweder hat man zu viel oder zu wenig davon. Kaum eine/r verfügt über die angemessene Dosis, oder? Das dachte sich zumindest ein Forscherteam des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik 1924 und führte das berüchtigte Projekt „Kronos“ durch.

Ausgehend von der Relativitätstheorie Einsteins versuchten die Forscher, die Zeitachse zu beeinflussen. Das sollte durch Manipulation der Raumkrümmung und den Einsatz extrem langsamer Raum-Zeit-Vektoren geschehen. Unter strengster Geheimhaltung verkürzte das Forscherteam einen UBahnwagen vom Typ A-I, verschloss ihn hermetisch und versah ihn mit einem lichtabsorbierenden schwarzen Teer-Lithium-Anstrich. Paddelartige Excenter mit Synchronmotor anstelle der Räder sorgten für die nötige Sinus kurvige Bewegung. Scheinbar wurden 8 Probanden – ledige, bis zu 40 Jahre alte Männer – mit Getränken, einem Schach- und Kartenspiel sowie einem Tonbandgerät versorgt und im Wagen untergebracht. Dieser ging dann  wohl im Frühling bzw. Sommer 1926 – die Dokumentation ist kriegsbedingt verloren gegangen – im Tunnel der nicht eröffneten Linie 10 auf Höhe der Station Rathaus Steglitz an den Start und fuhr täglich 4 mm. Bis heute sind es 317 m und 6 ½ Stunden, die Wagen und Insassen zurückgelegt haben müssten. Die extreme Verlangsamung wird das Gerät optisch so verändert, ja außerhalb des Raum-Zeit-Horizonts katapultiert haben, dass wir es nicht mehr sehen können. Sowohl die Nazis als auch die Rote Armee zeigten Interesse an den Forschungsergebnissen, jedoch verlief die Suche nach der Zeitmaschine erfolglos. Doch immer wieder gibt es Hinweise auf ihre Existenz. Anwohner berichten von unerklärlichen Zeitanomalien und knirschenden Geräuschen in der Umgebung der Linie 9. Das kann nur vom Kronos-Gerät kommen. Wer also Slowdown braucht, sollte sich entweder zur U-Bahnstation Rathaus Steglitz begeben. Oder aber in die aktuelle Ausstellung „Das mechanische Corps. Auf den Spuren von Jules Verne“ im Künstlerhaus Bethanien. Hier ist das Projekt – neben anderen spannenden Exponaten – mit einem Modell, Erläuterungen und einem Video von Roland Boden  vorgestellt.

Damit wir wieder im richtigen Zeitflow sind!

Das mechanische Corps. Auf den Spuren von Jules Verne,  Künstlerhaus Bethanien, Kottbusser Straße 10, 10999 Berlin, Di–So: 14:00–19:00 Uhr, 05.06.-03.08.2014

Das Kronos-Projekt

Jules Verne und „das mechanische Corps“ auf Berlin-Woman

 

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