Querbeet, Harald Hauswald zum Sechzigsten in der Fotogalerie Friedrichshain

Berlin-Friedrichshain

Carola Muysers in der Ausstellung "Querbeet. Harald Hauswald zum Sechzigsten", Foto: © Kater Kosz
Carola Muysers in der Ausstellung „Querbeet. Harald Hauswald zum Sechzigsten“, Foto: © Kater Kosz

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Kind hüpft mit einem Seil davon, auf der Hauswand steht: „Wut“. Hochpolitisch, mit bestem Humor und feinstem Gespür für das Doppeldeutige hat Harald Hauswald Alltagsszenen in seinem Heimatland DDR eingefangen. Jetzt zeigt die Fotogalerie Friedrichshain eine Retrospektive zum 60. Geburtstag des Fotografen.

Der ostdeutsche Fotograf Harald Hauswald (* 3. 05.1954) ist Mitbegründer der legendären Berliner Fotoagentur Ostkreuz. Er lernte die Fotografie von der Pieke auf. 1977 zog er nach Ostberlin, wo er als Telegrammbote, Heizer, Restaurator, Fotolaborant und Fotograf in der Stephanus-Stiftung arbeitete. 1989 wurde er Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR, 1997 erhielt er das Bundesverdienstkreuz und 2006 den Einheitspreis – Bürgerpreis zur dtsch. Einheit. Hauswalds Schwarzweißaufnahmen sind Brandzeichen der Subkultur in der DDR. Der Fotograf glaubte den sozialistischen Verheißungen nicht, sondern arbeitete ausschließlich „im eigenen Auftrag“. Seine „Galerien“ waren Jugendclubs und Kirchenräume, seine „Kataloge“ unabhängige Zeitschriften und Postkarten. Frei von der Staatsdoktrin erfasste seine Kamera die Wahrheit hinter der sozialistischen Fassade: verbiestert angepasste, punkige und störrische DDR-Bürger/innen, alternative, freakige Jungfamilien, verblödete NVAler, Bohémien und die kleinkarierte, sogenannte Ost-Intelligenz. Hauswald gab dem Schrägen, Widersprüchlichen, unfreiwillig Komischen und Entlarvenden im ostdeutschen Alltag ein Gesicht: Eine verschmitzte junge Frau schaut aus dem Fenster, neben dem: „Milchverkauf“ geschrieben steht. Vor einer hohen Mauer schiebt ein Mann von links eine Schubkarre, von rechts eine junge Frau einen Kinderwagen heran. Ein beschürztes Plastikschwein in einem Metzgerei-Schaufenster hebt sein lauschendes Ohr und hört mit. Der Schriftzug Wohnkultur krönt eine völlig heruntergekommene Hausfassade. 1. Mai Fahnenträger flüchten vor einem plötzlichen Unwetter auf dem Berliner Alexanderplatz. „Wenn ich träume, bin ich frei“ hat ein junger Mann aus Berlin-Weißensee auf seinem Rücken tätowiert. „Wie wahr“, denken wir uns und träumen in der äußerst anregenden Ausstellung, die noch bis zum 20.06. zu sehen ist.

Querbeet, Harald Hauswald zum Sechzigsten, Fotogalerie Friedrichshain, Kulturring e.V., Helsingforser Platz 1, 10243 Berlin-Friedrichshain, 030 2961684, fotogalerie@kulturring.org, Di, Mi, Fr, Sa 14:00-18:00 Uhr, Do 10:00-18:00 Uhr, bis 20.06.2014

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