Erinnerungsarbeit: ein Projekt über Euthanasie-Opfer der Wittenauer Heilstätten

kreative Unternehmer/innen

Berlin-Woman_Euthanasie-Opfer
Textauszug vom Klinik-Gedenkstein
© gabi helmchen

Der Friedhof der Wittenauer Heilstätten in Berlin-Reinickendorf ist schwer zu finden. Dabei ist er der Ort des Gedenkens an die Euthanasie-Opfer im Nationalsozialismus. Das Vergessen wäre ihr 2. Tod. Dagegen engagiert sich die Pfarrerin und Religionslehrerin Irmala Orland mit Schüler/innen des Herwegh-Gymnasiums. Gabi Helmchen vom Berlin-Woman-Team berichtet.

Die Klinik wurde 1880 als Irren- und Idiotenanstalt der Stadt Berlin zu Dalldorf gegründet und in den 1920er Jahren in Wittenauer Heilstätten umbenannt. Seit 1957 heißt sie Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, heute gehört sie der Vivantes GmbH – Netzwerk für Gesundheit. Mitte der 1980er Jahre begann die Aufarbeitung der dortigen medizinischen Verbrechen während der NS-Zeit. Das war nicht einfach, denn es fehlen sämtliche Personalakten und die Verwaltungsakten von 1933-45. Nach umfangreichen Recherchen wurde die Ausstellung „totgeschwiegen, 1933-1945. Zur Geschichte der Wittenauer Heilstätten“ eingerichtet, die das ganze Repertoire der menschenverachtenden „Gesundheitspolitik“ des NS-Regimes sichtbar macht: Zwangssterilisationen, Tötung „unwerten Lebens“, Insulin- und Elektroschocks, Vergasung und Hungertod. Auf dem Klinikfriedhof wurden die Ermordeten in Einzel- oder Gruppengräbern verscharrt. Noch bis 1958 fanden hier legale Beerdigungen statt, danach geriet das Gelände in Vergessenheit. Nun erstellt die Pfarrerin und Religionslehrerin Irmala Orland gemeinsam mit Schüler/innen des Herwegh-Gymnasiums eine Dokumentation der Friedhofsgeschichte. Auf einer Gedenkfeier für die Euthanasie-Opfer am 27.03.2014 haben Schüler/innen die Namen der Ermordeten vorgelesen. Zusammen mit interessierten Bürger/innen und dem Projekt Topografie des Terrors arbeiten sie daran, die noch vorhandenen Gräber wieder sichtbar und den Friedhof zu einer Gedenkstätte zu machen.

Dieser Ort der Erinnerung und des Gedenkens wird den Ermordeten ihre Würde und ihren Nachkommen den Seelenfrieden wiedergeben!

Anstaltsfriedhof der Wittenauer Heilstätten

Ausstellung totgeschwiegen, Vivantes GmbH, Netzwerk für Gesundheit, Oranienburger Str. 285, 13437 Berlin | Haus 10, Anfahrt mit der S-UBahn, Halt „Karl Bonhoeffer Nervenklinik“

Zeugenbericht zur Euthanasie in den Wittenauer Heilstätten auf youtube

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