Film! Film! Film! Die Operette „Clivia“ in der Komischen Oper Berlin

Berlin-Mitte

Bild: www.komische-oper-berlin.de
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Panik! Clivia Gray und ihr Filmteam sitzen an der Grenze zu Boligway fest. Und der männliche Hauptdarsteller kommt abhanden, so dass sich der Produzent und zwielichtige USamerikanische Geschäftsmann E.W. Potterten auf die Suche nach einem Ersatzmann begeben muss. Da kommt ihn eine geniale Idee.

Er arrangiert eine Scheinehe zwischen dem neuen männlichen Protagonisten, einem boliguayischen Gaucho und Clivia und hat damit die Arbeitserlaubnis auf boliguayischem Boden in der Tasche. Dass der Film für Potterten nur Vorwand ist, um die Regierung im Land zu stürzen und dubiose Dollar-Geschäfte zu machen, kommt erst beim Finale heraus. Solange wird Clivia, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit der Diva Jane Harlow hat, in Gefühlsirrungen und -wirrungen gestürzt. Denn sie ist ein Star und hat es doch gar nicht nötig, sich mit einem südamerikanischen Noname, als der sich der Heiratskandidat Juan Damigo ausgibt, zu verbandeln. Tatsächlich aber hat sie den untergetauchten boliguayischen Präsidenten geheiratet. Und nicht nur das, das Paar verliebt sich auch noch unsterblich ineinander. Die Rolle der strahlenden wie verwirrten Clivia scheint Christoph Marti (vom Trio Geschwister Pfister) auf den Leib geschrieben. Köstlich, wie er, nein sie gekleidet ist, sich bewegt, singt und ihre Allüren auslebt. Überhaupt ist die gesamte Operette bestens bestückt. Das Bühnenbild greift den Filmstil der 1920er und 30er Jahre auf, und entsprechend sind die Szenen glamourös, ja überspannt inszeniert. Sehr unterhaltsam die Auftritte des Sensationsreporters Lelio Down von der Chicago Times und des Berliner Erfinders Gustav Kasulke. Der Knaller aber die boliguayische Armee, die nur aus sexy … aber genug verraten. Das Stück ist noch bis Februar 2015 in der Komischen Oper Berlin anzuschauen. Beeilt euch, die Tickets 12-72 € sind mittlerweile rar.

Clivia, musikalische Leitung: Kai Tietje, Inszenierung: Stefan Huber, Choreographie: Danny Costello, Bühnenbild: Stephan Prattes, Kostüme: Heike Seidler. Besetzung: Geschwister Pfister u.a., Komische Oper, Stiftung Oper in Berlin, Behrenstraße 55-57, 10117 Berlin, +49 (0)30 202 60 0, info@komische-oper-berlin.de

P.S. Die Operette in 3 köstlichen Akten stammt von Nico Dostal. Sie entstand vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurde aber kurz danach, im Dezember 1933 uraufgeführt. Gerade dieses Stück mit dem fulminanten Mix aus Jazz, Latinomusik, Chansons der Zwanziger Jahre und Berliner Marschmusik sollte die Karriere des Komponisten in den dunkelsten Jahren Deutschlands ebnen.

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