Berlin-Women: Marie Jalowicz Simon

Berlin-Women

Marie Jalowicz-Simon auf Berlin-Woman

Marie Jalowicz Simon (April 1922-16.09.1998) ist die Mutter des Historikers Hermann Simon, der die Stiftung Neue Synagoge, Centrum Judaicum leitet. 1942-44 versteckte sich die jüdischstämmige junge Frau vor den Verfolgungen durch die Nationalsozialisten. Eine Odyssee durch das braune Berlin, zu der nun ein Buch erschienen ist …

Ein Jahr nach ihrem Abitur an der Oberschule der jüdischen Gemeinde wird Marie Jalowicz 1940 zur Zwangsarbeit in den Siemens-Werken abgestellt. Sie kündigt und nachdem sie der Gestapo im Juni 1942 knapp entkommt, taucht sie unter. Die Waise – ihre Mutter Betty Jalowicz starb 1938, ihr Vater Hermann Jalowicz, ein gebildeter und ehemals vermögender Berliner Anwalt, starb im März 1941 – ist ganz auf sich allein angewiesen. In den nächsten 3 Jahren findet sie in insgesamt 13 Berliner Wohnungen Unterschlupf. Das gelingt ihr mit einer falschen Identität und falschen Papieren. Und der Unterstützung vieler Helfer, die nicht immer nur uneigennützig handeln. In den Fluchtjahren begegnet Marie Kleinkriminellen, Widerstandskämpfern, Artisten, Fremdarbeitern, sie erlebt Verrat, Erpressung Kuppelei, aber auch Hilfsbereitschaft, Großherzigkeit bis hin zur Aufopferung. Direkt nach dem Krieg 1945 heiratet sie ihren Schulfreund Heinrich Simon, studiert, habilitiert und wird Professorin/Dozentin für Altphilologie und Philosophiegeschichte an der HU Berlin. Ihre Erfahrungen aus der Nazizeit dokumentiert sie 50 Jahre später auf 77 Tonbandkassetten. Es dauert noch einmal 15 Jahre, bis Hermann Simon nun mit der Journalistin Irene Stratenwerth ein Buch daraus machen konnte. Herausgekommen ist ein aufrichtiger, kluger und gewitzter Bericht über das Überleben in einer der historisch und politisch dunkelsten Zeiten Deutschlands. Marie Jalowicz Simon gehört zu den 1.700 Juden, die die Verfolgung der Nazis in Berlin lebend überstanden haben.

Marie Jalowicz Simon: Untergetaucht. Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940-45. Bearbeitet von Irene Stratenwerth und Hermann Simon. S. Fischer, Frankfurt/M. 2014, 416 S., 22,99 €

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