Berlin-WoMen: Julius Hans Spiegel

Berlin-WoMen

Bild: www.tanzfonds.de
Bild: www.tanzfonds.de

Nun haben es alle bemerkt. Aus dem kleinen „m“ von Berlin-Woman ist ein „M“ geworden. Viel wird sich an unserem bewährten Infoprogramm zu Kunst, Kultur, Medien und Politik aber nicht ändern. Nur kommen Männer und ihre Themen hinzu, die WIR gut finden. So verdient Julius Hans Spiegel (05.06.1891-13.10.1974) unsere Aufmerksamkeit.

Der deutsch-jüdische Maler, Choreograph und Tänzer wurde in Berlin geboren, mit 3 Jahren verlor er sein Gehör und kam nach dem frühen Tod seiner Eltern in ein Internat der Königlichen Taubstummenanstalt zu Berlin. Julius Hans Spiegel studierte Malerei in Berlin und München sowie Tanz bei Raden Mas Jodjana und evtl. auch bei Max Terpis, dem Leiter des Balletts am Berliner Staatstheater. Ein Prinz aus Java soll ihm den exotischen Tanz beigebracht haben. Von diesem erbte der Künstler eine wertvolle Sammlung ostasiatischer Masken und Gewänder. Als Grotesken-, Exotiktänzer und Interpret asiatischer Tänze – meist ohne Musik – trat er in der Berliner Avantgardeszene auf, z.B. in der Künstlergruppe „Der Sturm“ und im Magnus Hirschfeld Institut für Sexualwissenschaft. Gastauftritte führten ihn nach Paris ins Apollo-Theater, nach Mailand und zu den Futuristen nach Rom. 1934 emigrierte Julius Hans Spiegel nach Capri, wo er sich mit Kunst, Tanzunterricht und Werbeaufträgen über Wasser hielt. Zu seinem Freundeskreis gehörten Thomas Mann, Liz Taylor, Orson Welles und Clark Gable. 1974 starb er in Armut auf Capri, sein Nachlass ging an das Staatliche Museum für Völkerkunde in München und ans Deutsche Tanzarchiv in Köln. Aktuell hat die Tanzkuratorin Anna Wagner im Freiburger Theater das Julius-Hans-Spiegel-Zentrum eröffnet, das bis April 2014 ein umfangreiches Programm zum Thema Tanz & außereuropäische Kulturen anbietet.

Siehe auch das Interview von Margarita Tsomou: „Exotischer wird’s nicht“. Wie deutsch ist der deutsche Ausdruckstanz? Tanzkuratorin Anna Wagner erforscht am Julius Hans Spiegel Zentrum in Freiburg das kulturelle Andere der modernen Tanzgeschichte, in: Missy Magazine, # 01/14, März/April/Mai 2014, S. 22f.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.