Berlin-Woman guckt hin: In Grazia Di Dio, 64. Berlinale 2014

Berlinale 2014

Foto: ©Cosimo Cortese. Bild: www.berlinale.de
Foto: ©Cosimo Cortese. Bild: www.berlinale.de

Salento, Süditalien, Wirtschaftskrise: Die kleine Textilfabrik muss schließen und die Unternehmerfamilie hat auf einmal einen riesen Schuldenberg an den Hacken. Der Bruder emigriert in die Schweiz, das Eigenheim wird verkauft, man zieht auf ein verwildertes Landstück am Rand des Dorfes. Hier beginnt ein neues Leben als Selbstversorger/innen. Gar nicht so einfach für die schöne, vom Leben enttäuschte Adele, ihre übergewichtige Schwester, ihre missratene Teenie-Tochter und ihre gelassene Mutter, die in Gebeten zur Madonna Zuflucht gefunden hat. Das große Grundstück mit Olivenbäumen, Gemüsebeeten und einem traumhaften Blick zum silberblauen Mittelmeer hinüber zur griechischen Küste muss erst mal auf Vordermann gebracht werden. Adele und ihre Mutter machen die harte Arbeit ohne zu murren, aber die Schwester und Tochter motzen. Denn die eine träumt von einer Schauspielkarriere und die andere von einem reichen Mann. Dabei sind sie weit davon entfernt: Ein Vorsprechtermin in Rom platzt und der Teenie wird von einem der Dorfhelden schwanger und weiß nicht von wem. Derweil wächst und gedeiht der Garten, Adele beginnt die Naturalien zu verkaufen, bzw. gegen das Nötige zum Leben zu tauschen. Auch taucht ein Verehrer aus Adeles Schulzeiten auf, der im Finanzamt arbeitet und Adele die Schuldensituation erleichtert. Der Mann will die Jugendliebe wieder auffrischen, was aber seine fast krankhafte Schüchternheit verhindert. Wie der Garten wächst auch die kleine Familie wieder zusammen. Die Entfremdung zwischen Adele und ihrer Tochter löst sich, die Tochter will das Baby behalten und einen ordentlichen Schulabschluss machen, und die Großmutter verliebt sich in den Gärtner, der seit Jahren auf dem Grundstück lebt. Ihre Liebesgeschichte ist wie Traumsegmente in die ungeschönte realistische Filmerzählung eingeflochten. Das süße alte Liebespaar singt zusammen, geht schwimmen, knutscht und heiratet schließlich. Der Film dauert 2 Stunden, die einen mehr und mehr in die Geschichte und die olivgrüne, silberflirrende Landschaft Süditaliens hineinziehen. Zu guter Letzt möchte man dort nur noch Ferien machen, vielleicht wäre das eine weitere Geschäftsidee für Adele?

In Grazia Di Dio, Italien 2014, 131 Min, Italienisch, Regie: Edoardo Winspeare, mit Celeste Casciaro, Laura Licchetta, Barbara De Matteis, Anna Boccadamo, Gustavo Caputo.  11.02.2014, 22:00 Uhr, Zoo-Palast. 12.02.2014, 17:00 Uhr, Cubix. 14.02.2014, 14:00 Uhr, International.

64. Berlinale 

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