Reifezeugnis oder die männliche Tussi (1977): Berlin-Woman guckt ausnahmsweise Tatort

die blaublaue Stunde

Nastassja Kinski und Klaus Schwarzkopf, BIld:www. tatort-fans.de
Nach der Erstausstrahlung erwarb die junge Berlin-Woman eine bestickte Bluse. Nastassja Kinski und Klaus Schwarzkopf, BIld:www. tatort-fans.de

Kommissar Finke (Klaus Schwarzkopf) futtert seinem Kollegen die Scholle weg, die der im Gasthaus einer kleinen Stadt in Schleswig-Holstein bestellt hat. Während der langwierigen Ermittlungen quält sich der Herr Kollege mit Kreuzworträtseln herum. Der 73. Tatort „Reifezeugnis“ hat seine feinhumorigen Szenen, ansonsten ist er eher ein erstklassig besetztes Drama denn ein Krimi. Ein Grund, die eigene bekennende Tatort-Phobie zu überwinden und ein Wiedersehen mit diesem raren Tatort-Meisterwerk (1977) zu feiern. Dank Youtube jederzeit und in Full-Movie-Size möglich!

Sina Wolf (Nastassja Kinski) ist zuckersüße 16 und verdreht jedem Kerl den Kopf. So auch ihrem Lehrer Fichte (Christian Quadflieg), mit dem sie eine Affäre hat, d.h. der schöne Herr Fichte hat eine Affäre, das junge Mädchen glaubt an eine feste und dauerhafte Liebe. Sinas Exfreund und Klassenkamerad, der leicht psychopatische Michael Harms kommt dem Paar auf die Schliche. Er zwingt Sina zu einem Treffen im Wald und verlangt von ihr Sex. In ihrer Verzweiflung schlägt die junge Frau dem Täter einen Stein auf den Kopf und tötet ihn. Um aus der Geschichte herauszukommen, erfindet Sina einen 2. Vergewaltiger, der Michael ermordete, als dieser ihr zur Hilfe eilen wollte. Das scheint glaubwürdig, denn die Polizei sucht tatsächlich einen Vergewaltiger, der auf freiem Fuß ist. Doch Kommissar Finke lässt sich nicht beirren und checkt die Lage. Derweil kommen die attraktive Frau Fichte (Judy Winter), Lehrerin und Doktorin der Mathematik, und eine Klassenkameradin Sinas dem Lehrer Fichte auf die Schliche. Die Schülerin erpresst Fichte und zwingt ihn, ihr die Lösungen der anstehenden Mathematik-Klassenarbeiten zuzuschustern. Seine Frau vertuscht die Angelegenheit und bemüht sich erfolgreich um eine gemeinsame Versetzung nach Lübeck. Den liebenlangen Film steht Herr Fichte, wie der Name schon sagt, passiv da, lässt sich von Sinas Träumereien einspinnen, von seiner Frau „retten“ und von der Mitschülerin erpressen. Erst als der Mordverdacht von dem Vergewaltiger auf ihn übergeht, wird er aktiv und ringt sich zu einer Trennung von Sina durch. Die dreht durch und versucht, sich das Leben zu nehmen. Das gelingt nicht, in der abschließenden Rettungsszene tröstet Frau Dr. Fichte (!) die junge Frau. Kommissar Finke weist den Lehrer, der sich hinzustellen will, zurück. Über den Bildschirm flackert der Titel: Reifezeugnis, und die ergriffene Zuschauerin weiß nun, dass Herr Fichte die Prüfung nicht bestanden hat. Er bleibt das, was er immer schon gewesen ist:  eine feige, männliche Tussi!

Der Film verhalf Nastassja Kinski und Wolfgang Petersen zum Welterfolg. Verdientermaßen, findet Berlin-Woman!

Reifezeugnis, 73. Tatort, 1977, der 6. Fall von Kommissar Finke, 108 min, Erstausstrahlung: 27.03.1977, Regie: Wolfgang Petersen, Drehbuch: Herbert Lichtenberg/Wolfgang Petersen, Produktion: Rüdiger Humpert, Kamera: Jörg-Michael Baldenius/Hans Schreiber, erstklassige Besetzung mit: Klaus Schwarzkopf, Nastassja Kinski, Christian Quadflieg, Judy Winter, Uta Sax, Rüdiger Kirschstein u.a.

Reifezeugnis auf Youtube

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