Berlin-Woman rezensiert: Ulrike Herrmann, Der Sieg des Kapitals. Wie der Reichtum in die Welt kam

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Bild: www.lebensphase.info
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Unsere Mitbloggerin Sa-Beene vom Büro für Mediation und unabhängige Beratung MUT war wieder im Buchhändlerkeller in Berlin-Charlottenburg. Dieses Mal las die Journalistin und Autorin Ulrike Herrmann (*1964) aus ihrem neusten Buch „Der Sieg des Kapitals. Wie der Reichtum in die Welt kam“. Hier ist Sa-Beenes Rezension:

Anstatt vorzulesen skizziert Ulrike Herrmann ihre Beweggründe, dieses Buch zu schreiben und gibt Einblick in die ersten Kapitel. Nachdem sie vor 3 Jahren Hurra, wir dürfen zahlen geschrieben hat, will sie in diesem Buch den Kapitalismus und seine Mechanismen erklären.

Dies tut sie in einer lesbaren Sprache, ohne die alten Erkenntnisse (Marx & Co) über Bord zu werfen. Lebendig schildert sie die Geschichte der Mechanisierung (beginnend mit der engl. Textilindustrie, obwohl schon die Römer Dampfmaschinen kannten!) und folgt den Fragen: was ist eigentlich Geld, was ist Marktwirtschaft, seit wann gibt es Globalisierung? Seit 2000 hat es 3 schwere Finanzkrisen in Europa gegeben. Anstatt diese wie viele Autor/innen erklären zu wollen geht Ulrike Herrmann einen Schritt zurück: Wie ein Arzt den Zustand Gesundheit kennen sollte, möchte sie den „Normalbetrieb“ Kapitalismus verständlich machen, um von da aus die Krankheiten zu behandeln. Hier sind ihre Thesen: Geld existiert seitdem die Menschheit seßhaft ist. Geld entsteht aus dem Nichts (Beispiel Überziehungskredit!). Geld schafft kein Wachstum, Reichtum ist nicht Geld. Wenn Löhne nicht steigen, kommt es zur Krise. Hohe Löhne tragen den Kapitalismus. Das Missverständnis großer Teile der Linken bestehe in der Überschätzung der Rolle des Geldes, und der vermeintlichen Kausalität von Zinsentwicklung und Wachstum. Marktwirtschaft ist nicht gleich Kapitalismus. Der Kapitalismus war schon immer global. Eine große Schere zwischen arm und reich führt zu Stillstand. Der Kapitalismus braucht den Massenkonsum, ebenso wie quantitatives Wachstum! Daraus entwickelt Ulrike Herrmann eine ganz eigene Sichtweise. Ausgehend von der Erkenntnis, dass es in einer endlichen Welt kein unendliches Wachstum gibt, warnt sie vor den Folgen einer (gewollten) Deflation wie in Japan. Wiederholt vertritt sie die These, dass die handelnden Politiker/innen und Wirtschaftsakteur/innen das System selbst nicht verstünden. Dies glaube ich zwar nur bedingt, würde mir aber wünschen, wir könnten mehr und öfter jenseits von Grabenkämpfen um die Frage: Wer hat Recht? mit so einer klugen Frau diskutieren. Ich wünsche ihrem Buch eine große Verbreitung und freue mich auf die Lektüre.

Ulrike Herrmann, Der Sieg des Kapitals. Wie der Reichtum in die Welt kam: Die Geschichte von Wachstum, Geld und Krisen. Westend Verlag. Frankfurt am Main. 2013, ISBN 978-3-86489-044-4

Buchhändlerkeller

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