Eine Sensation! Die Ausstellung „Hilma af Klint, eine Pionierin der Abstraktion“

Berlin-Mitte

Bild: www.ikono.org
Bild: www.ikono.org

Hilma af Klint (1862-1944). Schwedische Malerin, 1882 eine der 1. Studentinnen an der Stockholmer Kunstakademie und begeisterte Okkultistin. 1896 gründet sie mit 4 Frauen die Gruppe „De Fem“ (Die Fünf), bei deren Séancen sie Kontakt zu höheren Wesen aufzunehmen glaubt und diesen Prozess malerisch festhält. Ab 1905 geht sie in die Abstraktion, 5 Jahre vor dem Gründervater der abstrakten Kunst Wassily Kandinsky. Ganz schön verstiegen, denken wir, solange wir nicht den Hauptsaal der Ausstellung „Hilma af Klint. Eine Pionierin der Abstraktion“ im Hamburger Bahnhof in Berlin-Mitte betreten haben. Dort erwartet uns Sensationelles.

Bevor sie 1905 in ihrer Serie Urchaos mit Spiralen, Kreisen, Wellen und Linien arbeitet, malt Hilma af Klint traditionelle Landschaften und Portraits. Auch ist sie eine gute Zeichnerin. Dann wechselt sie unter dem Einfluss spiritueller und theosophischer Lehren zur Ecriture automatique, dem sehr viel späteren, künstlerischen Ansatz der Surrealisten. Die Malerin macht ihre Kunst zum Mittel, geistige Inhalte intuitiv auszudrücken. Und mit diesem Impuls tut sie etwas, das nicht nur mit dem Klischee der Künstlerinnen ihrer Zeit aufräumt. Nach 1905 entstehen 111 Bilder von immenser Größe. Oft haben sie ein 3 x 2 m Format, das üblicherweise in der männlich besetzten Historien- und Wandmalerei verwendet wird. Die monumentale Gemäldeserie im Obergeschoss der Ausstellung im Hamburger Bahnhof ergreift uns mit ihren poppigen Farben und bestechenden Formenkompositionen, wir denken an den Surrealismus der 1920er, ans Bauhaus und New Bauhaus der 1920er-40er, an die Pop- und Op Art der 1960er und an die New Age Kunst der 1970er Jahre. Hilma af Klint hat der abstrakten Kunst des gesamten 20. Jahrhunderts vorgegriffen. Ein sensationelles Seh- und Emanzipationsvergnügen! Die Malerin bestimmte, dass ihre Bilder zu Lebzeiten bis 20 Jahre nach ihrem Tod weder ausgestellt noch verkauft werden sollten. Aber jetzt ist die Zeit reif für Hilma af Klint.

Hilma af Klint, Eine Pionierin der Abstraktion, Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin, Di, Mi, Fr-So 10:00-18:00 Uhr, Do 10:00-20:00, 14/7 €, 15.06.-06.10.2013

(Das Foto zeigt die Ausstellungspräsentation in Stockholm).

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