Berlin-Women: Gertrud Kolmar

Berlin-Women

Bild: www.inselgalerie-berlin.de
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Gertrud Kolmar, bürgerlich: Gertrud Käthe Chodziesner (10.12.1894-Anfang März, amtlich 02.03.1943 in Auschwitz) ist eine bekannte deutsche Lyrikerin, Autorin und eine geborene Berlin-Woman. Sie stammt aus einer jüdischen Rechtsanwaltsfamilie und ist die Cousine von Walther Benjamin. Nach dem Besuch mehrerer privater Mädchenschulen in Berlin und einer haus- und landwirtschaftlichen Frauenschule in Leipzig machte sie 1915/16 ihr Diplom für Englisch und Französisch an einem Berliner Seminar für Sprachlehrerinnen. Eine unglückliche Liebesbeziehung zu einem Offizier bescherte ihr eine Abtreibung und eine schmerzhafte Trennung.

Im 1. Weltkrieg arbeitete sie im Kriegsgefangenenlager Döberitz, danach als Gouvernante in Berlin und Hamburg. 1927 führte sie eine Studienreise nach Paris und Dijon, ein Jahr später übernahm sie den elterlichen Haushalt und pflegte ihren kranken Vater. Bereits mit 23 Jahren publizierte sie ihren 1. Gedichtband, 1931 verfasste sie den posthum veröffentlichten Roman Eine Mutter, 1934 folgte der 2. Lyrikband unter dem Titel Preußische Wappen im Verlag Rabenpresse. Das Buch und der Verlag wurden von den Nationalsozialisten zensiert, und ihr 3. Band Die Frau und die Tiere, der in einem jüdischen Verlag erschien, in der Reichsprogromnacht am 09.11.1938 eingestampft. Im selben Jahr gerieten die Dichterin und ihre Familie unter die Repressionen der Nazis. 1941 musste Gertrud Kolmar Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie leisten, 1942 wurde ihre Vater in Theresienstadt ermordet. 1943 gehörte die Künstlerin zu den 1.500 Juden, die im Osttransport der RSHA nach Auschwitz deportiert und dort in den Gaskammern getötet wurden. Kolmars virtuos-expressiven Gedichte behandeln rebellische, selbstbestimmte weibliche Existenzäußerungen, die sich der rollenspezifischen Unterdrückung zur Wehr setzen. Posthum erhielt die Lyrikerin den Deutschen Kritikerpreis.

Wer war Gertrud Kolmar?

Ausstellung mit 4 künstlerischen Positionen zur Erinnerung an Gertrud Kolmar, Galerie Abakus, Parkstraße 104, 13086 Berlin, Do-Sa 16:00-19:00 Uhr, bis 30.06.2013

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