WE mit Berlin-Woman: Radtour zum Eierhäuschen im Treptower Park mit Fontane und der schönen Melusine

die blaue Stunde

Bild: www.vergessene-orte.blogspot.com
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„Der Stechlin“ ist der letzte große Roman von Theodor Fontane. Er spielt an realen Berliner Schauplätzen, Hauptfiguren sind Graf Dubslav von Stechlin, sein Sohn Woldemar, Graf Barby mit seinen Töchtern: der schönen geschiedenen Melusine und der stillen Armgard. Es geht um Politik, Liebe und die Auflösung alter Strukturen. Während die männlichen Protagonisten mit der Tradition des 19. Jh. ringen, sind seine lebenssprühenden modernen Protagonistinnen längst auf dem Weg ins 20. Jh. Einer der Ausflüge, die die Stechlin-Gesellschaft unternimmt, geht zum legendären Eierhäuschen im Treptower Park. Dorthin radeln wir heute und lesen uns vor, was Fontane und die schöne Melusine zu erzählen haben:

Im Kapitel 14 steigt die illustre Gesellschaft an der Jannowitzbrücke in den Ausflugsdampfer, gleitet unter den Stadtbahnbrücken hinweg, an Treptow, Strahlau und der Liebesinsel in der Rummelsburger Bucht vorbei, da wo die Berliner Liebespaare – so sagt man – gerne miteinander in den Tod gehen: „Es ist doch weiter als ich dachte“, sagte Melusine. „Wir sind ja schon wie in halber Einsamkeit. Und dabei wird es frisch. Ein Glück, dass wir Decken mitgenommen. Denn wir bleiben doch wohl im Freien? Oder gibt es auch Zimmer da? Freilich kann ich mir kaum denken, dass wir sechs in einem Eierhäuschen Platz haben“. „Ach, Frau Gräfin, ich sehe, Sie rechnen auf etwas extrem Idyllisches und erwarten, wenn wir angelangt sein werden, einen Mischling von Kiosk und Hütte. Da harrt Ihrer aber eine grausame Enttäuschung. Das Eierhäuschen ist ein sogenanntes ´Lokal´, und wenn uns die Lust anwandelt, so können wir da tanzen oder eine Volksversammlung abhalten. Raum genug ist da. Sehen Sie, das Schiff wendet schon, und der rote Bau da, der zwischen den Pappelweiden mit Turm und Erker sichtbar wird, das ist das Eierhäuschen.“ „O weh! Ein Palazzo“, sagte die Baronin und war auf dem Punkt, ihrer Missstimmung einen Ausdruck zu geben. Aber ehe sie dazu kam, schob sich das Schiff schon an den vorgebauten Anlegesteg, über den hinweg man, einen Uferweg einschlagend, auf das Eierhäuschen zuschritt. Dieser Uferweg setzte sich, als man das Gartenlokal endlich erreicht hatte, jenseits desselben noch eine gute Strecke fort, und weil die wundervolle Frische dazu einlud, beschloss man, ehe man sich im Eierhäuschen selbst niederliess, zuvor noch einen gemeinschaftlichen Spaziergang am Ufer zu machen. Immer weiter flußaufwärts. Der Enge des Weges halber ging man zu zweit, worauf Woldemar mit Melusine, dann die Baronin mit Armgard. Erheblich zurück erst folgten die beiden älteren Herren, die schon auf dem Dampfschiff ein politisches Gespräch angeschnitten hatten … (zit. nach Theodor Fontane, Der Stechlin, Darmstadt, 1951, S. 136-13)

Fahrradtour: Uferweg am Landwehrkanal in Berlin-Kreuzberg mit Start am Urbanhafen, Fraenkelufer oder Planufer am Urban-Krankenhaus entlang, Maiybachufer/Paul Lincke Ufer, dann rechts vom Landwehrkanal in die Lohmühlenstr. einbiegen, durch den Schlesischen Busch zur Puschkinallee, von dort aus in den Treptower Park, am Ufer entlang, die Abteiinsel (Insel der Jugend) passieren, vorbei am Spreepark im Plänterwald und rechts davon zur Ruine des Eierhäuschens.

Das Eierhäuschen ist seit Jahren ein Thema des Berliner Denkmalschutzes. Mehr erfahrt ihr hier.

Ein Gedanke zu „WE mit Berlin-Woman: Radtour zum Eierhäuschen im Treptower Park mit Fontane und der schönen Melusine

  1. Das klingt toll. Am liebsten würde ich mich gleich heute aufs Rad schwingen. Aber in diesem Sommer mache ich das bestimmt.
    Ich freue mich schon drauf.
    Viel Spaß schon mal den schnell entschlossenen…

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