WE mit Berlin-Woman: Rosen für Fanny Mendelssohn von Mascha Blankenburg, Teil 7

die blaue Stunde

Das Mendelssohn-Denkmal in Hamburg. Ist die Muse der Musik etwa Fanny Hensel? Bild: www.musikviertel.de
Das Mendelssohn-Denkmal in Hamburg. Ist die Muse der Musik etwa Fanny Hensel? Bild: www.musikviertel.de

Mascha Blankenburg war mir eine liebe Kollegin und Freundin. Sie gab mir den entscheidenden Impuls, „Bees & Butterflies“ für vielseitig begabte und tätige Kreative wie sie, zu gründen. Wir hatten vor, einen ihrer Texte als Serie hier in der „blauen Stunde“ zu posten. Es kam nicht mehr dazu. In memoriam und auf ihren persönlichen Wunsch hin bringen wir nun ihr Essay „Rosen für Fanny Mendelssohn“ aus der Anthologie „Ein Traum von Musik“. Unser Dank geht an Elke Heidenreich, die den Poste genehmigt hat.

 

Teil 7: In keinem Konzert meines Lebens erhielt ich so viele Blumennsträuße wie an diesem Abend. Ich legte sie auf Fannys Partitur, und als da kein Platz mehr war, verteilte ich sie mit großem Dankbarkeitsgefühl an die Orchester- und Chormitglieder, die ihr ganzes Können und ihre künstlerische Kraft eingesetzt hatten. Es war eine Sternstunde in meinem Musikleben. Der Mitschnitt der Uraufführung kam als CD heraus. Das Werk wurde in den Medien gefeiert und trat nun seinen Weg in die Welt an. Ich versandte das Aufführungsmaterial an Dirigenten in vielen Ländern und dirigierte es selbst in verschiedenen deutschen Städten. 1986 erklang es als amerikanische Uraufführung in der Carnegie Hall in New York unter der Leitung von David Randolph. Glücklich saß ich im Publikum und verbeugte mich anschließend Hand in Hand mit dem Dirigenten. Dabei dachte ich an Fannys Worte: „Lieber Felix, komponiert habe ich in diesem Winter rein gar nichts, wie einem da zu Mut ist, der ein Lied machen will, weiß ich gar nicht mehr. Ob das wohl noch wiederkommt? Was ist übrigens dran gelegen? Kräht ja kein Hahn danach und tanzt niemand nach meiner Pfeife“. Das hatte sich grundlegend geändert! 1995 entschloss ich mich, das Werk einem Verlag zu übergeben, und seither spielen und singen die Musiker nach schön gedruckten Noten. Dennoch möchte ich bemerken, dass meine Notenschrift gar nicht so schlecht war. Mit einem bunten, riesigen Blumenstrauß betrat ich den Dreifaltigkeitsfriedhof in Berlin-Kreuzberg, wo Fanny neben ihrem geliebten Bruder ruht, und dachte, dass ich doch so viel für sie getan hätte. Aber als ich vor ihrem schlichten Grab stand und ihr die Rosen zu Füßen legte, wusste ich, dass ich ihr zu danken hatte. Dann nahm ich 3 roten Rosen aus dem Strauß und schenkte sie ihrem Bruder.

Fin

Was bisher geschah

Elke Mascha Blankenburg, Rosen für Fanny Mendelssohn, in: Elke Heidenreich (Hg.), Ein Traum von Musik. 46 Liebeserklärungen, Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann, München 2010, S.43-51

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