WE mit Berlin-Woman: Rosen für Fanny Mendelssohn von Mascha Blankenburg, Teil 5

die blaue Stunde

Fanny und Felix Mendelssohn auf Berlin-WomanMascha Blankenburg war mir eine liebe Kollegin und Freundin. Sie gab mir den entscheidenden Impuls, „Bees & Butterflies“ für vielseitig begabte und tätige Kreative wie sie, zu gründen. Wir hatten vor, einen ihrer Texte als Serie hier in der „blauen Stunde“ zu posten. Es kam nicht mehr dazu. In memoriam und auf ihren persönlichen Wunsch hin bringen wir nun ihr Essay „Rosen für Fanny Mendelssohn“ aus der Anthologie „Ein Traum von Musik“. Unser Dank geht an Elke Heidenreich, die den Poste genehmigt hat.

Teil 5: Felix Mendelssohn sah seine Schwester – bei aller Verehrung und Hochachtung ihres Talentes – als „Frauenzimmer im Hinterhaus“. 1830, als er in München mit der berühmten Pianistin Delphine Schauroth zusammen musizierte, schrieb er an Fanny: „Als ich sie nun gestern früh alleine hörte und sehr bewunderte, fiel mir plötzlich ein, dass wir im Hinterzimmer ein Frauenzimmer besäßen, das von der Musik doch eine gewisse andere Idee im Kopf hätte, als viele Damen zusammengenommen … Fanny, Du weißt wahrhaftig, was sich der liebe Gott bei der Musik gedacht hat, als er sie erfand. Deine Lieder sind schöner, als gesagt werden kann. Ich spreche bei Gott als kalter Beurteiler. O Jesus! Besseres kenne ich nicht. Was das für Einfälle sind!“ Trotz dieses gewaltigen Lobs hat er sich stets gegen ihren Wunsch, ihre Werke zu publizieren, ausgesprochen. Auch ist es mehr als verwunderlich, dass die vielen Mendelssohn-Biografen, die diese Briefe selbstverständlich kannten, nie ein Interesse für Fannys Musik gezeigt haben.

Die Uraufführung des Oratoriums nach Bildern der Bibel war eine Woche vorher bereits ausverkauft. Die Medien berichteten im Vorlauf, der WDR drehte bereits während der Proben, die Erwartungen lagen hoch, schließlich war es ein Werk der Schwester des genialen Felix. War sie ebenso genial? Jetzt galt es für mich, den Beweis dafür anzutreten. Ich dirigierte ja nicht ein bekanntes Werk der Weltliteratur, kein Brahms-Requiem, keine Bach´sche Passion, deren Qualität längst abgesichert war, sondern ein Werk, das dem Vergleich aus seiner Zeit standhalten musste. Ähnlich wäre es gewesen, hätte ich eine Oper oder eine Symphonie von Nannerl Mozart in die Welt gesetzt. Wahrscheinlich noch spektakulärer! Aber bis heute konnte ich leider noch kein Manuskript von Nannerl entdecken. Mein Telefon stand nicht still, Freikarten, Nachfragen, die Musikwissenschaftler lauerten mit neugieriger Skepsis, die Kritiker hatten den Stift schon gezückt! Vorfreude und Nervosität wechselten in meiner Gemütslage, aber ich erhielt immer wieder Rückendeckung von den Musikern des WDR-Orchesters, die Fannys Musik mit Begeisterung mit mir probten.

Fortsetzung folgt

Was bisher geschah

Elke Mascha Blankenburg, Rosen für Fanny Mendelssohn, in: Elke Heidenreich (Hg.), Ein Traum von Musik. 46 Liebeserklärungen, Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann, München 2010, S.43-51

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