WE mit Berlin-Woman: Rosen für Fanny Mendelssohn von Mascha Blankenburg, Teil 4

die blaue Stunde

Gartensaal in der Leipziger Str.3, Zeichnung von Sebastian Hensel, Bild: www.luise-berlin.de
Gartensaal in der Leipziger Str.3, Zeichnung von Sebastian Hensel, Bild: www.luise-berlin.de

Mascha Blankenburg war mir eine liebe Kollegin und Freundin. Sie gab mir den entscheidenden Impuls, „Bees & Butterflies“ für vielseitig begabte und tätige Kreative wie sie, zu gründen. Wir hatten vor, einen ihrer Texte als Serie hier in der „blauen Stunde“ zu posten. Es kam nicht mehr dazu. In memoriam und auf ihren persönlichen Wunsch hin bringen wir nun ihr Essay „Rosen für Fanny Mendelssohn“ aus der Anthologie „Ein Traum von Musik“. Unser Dank geht an Elke Heidenreich, die den Poste genehmigt hat.

Teil 4: Für die Sonntagsmusiken stand der auf den Park hinausgehende große Gartensaal zur Verfügung, der sich durch verschiebbare Glaswände in eine offene Säulenhalle verwandeln ließ. Wenn ich doch hätte dabei sein können! Oft waren bis zu 300 Gäste anwesend. Hier trat Fanny als Pianistin und Dirigentin auf, leitete ihren eigenen Chor und engagierte das Königsstädter Orchester für symphonische Aufführungen, dirigierte Beethoven- und Mozart-Symphonien, Opern, Werke ihres Bruders und natürlich auch ihre eigenen. 1829 hatte sie den preußischen Hofmaler Wilhelm Hensel geheiratet, und oft verbanden die beiden eine Ausstellung seiner Gemälde mit ihren Konzerten. Hensel porträtierte Fanny und krönte in seinen Zeichnungen ihr Haupt stets mit Blumengirlanden, worüber sie sich in ihrem Tagebuch mokierte: „Trotz meines Protestes hat er mir wieder einen Kranz aufgesetzt, die Leute müssen ja glauben, ich sei mit einem solchen Möbel geboren worden.“ Der „Gartensaal“ war ein bedeutendes kulturelles Zentrum in Berlin, und von den vielen prominenten Gästen, für die Fanny musizierte, seien nur wenige genannt: Clara und Robert Schumann, Carl Maria von Weber, Jenny Lind, Franz Liszt, die Brüder Grimm, Clemens von Brentano, Bettina von Arnim, Moritz von Schwind, Ferdinand Hiller und Paganini, den Fanny ein „höchst wunderbares, unbegreifliches Talent“ nennt, „der das Aussehen eines wahnsinnigen Mörders und die Bewegungen eines Affen hat, ein übernatürliches, wildes Genie“. Weitere Gäste waren Schleiermacher und Schlegel, die Brüder Humboldt, Meyerbeer, Louis Spohr, Frédéric Chopin und Heinrich Heine, der in einem Brief an Fannys Freund Droysen 1829 schrieb: „Und grüßen Sie mir Fräulein Fannys schöne Augen, die zu den schönsten gehören, die ich jemals gesehen“. Wer nach Berlin kam, durfte Fannys Sonntagsmusiken nicht versäumen. Johanna Kinkel, selbst Dirigentin und Komponistin, war aus Bonn angereist und schrieb nach dem Besuch eines Konzertes: „Mehr als die größten Virtuosen und die schönsten Stimmen, die ich dort hörte, galt mir der Vortrag Fanny Hensels, und ganz besonders die Art, wie sie dirigierte. Es war ein Aufnehmen des Geistes der Komposition bis zur innersten Faser und das gewaltige Ausströmen desselben in die Seelen der Sänger und Zuhörer. Ein Sforzando ihres kleinen Fingers fuhr uns wie ein elektrischer Schlag durch die Seele und riss uns ganz anders fort, als das hölzerne Klopfen eines Taktstocks auf ein Notenpult es tun kann …“

Fortsetzung folgt

Was bisher geschah

Elke Mascha Blankenburg, Rosen für Fanny Mendelssohn, in: Elke Heidenreich (Hg.), Ein Traum von Musik. 46 Liebeserklärungen, Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann, München 2010, S.43-51

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