World-Women: Swetlana Geier

World Women

Geier
Bild: Filmstill, uni-tv.uni-freiburg.de

Zweimal in der Woche stellen wir eine Berlin-Woman vor.  Manchmal ist es auch eine World-Woman, wie heute Swetlana Geier, geb. Swetlana Michailowna Iwanowa (26.04.1923 -07.11.2010). Sie ist DIE Dostojewski-Übersetzerin für die deutsche Sprache. 20 Jahre lang übersetzte sie seine 5  großen Romane und scheute sich nicht davor, die Titel zu ändern. Aus „Schuld und Sühne“ wurde „Verbrechen und Strafe“, aus „Die Dämomen“ wurde „Böse Geister“ und aus „Der Jüngling“ wurde „Ein grüner Junge“.

Swetlana Geier stammt aus Kiew und lebte seit 1943 in Deutschland. Die Ukrainerin, deren Vater unter Stalin verfolgt und getötet wurde, erhielt Privatunterricht in Französisch und Deutsch. 1941 nahm sie ein Studium für westeuropäische Sprachen an der Kiewer Universität auf und arbeitete als Übersetzerin am Geologischen Institut. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Kiew wurde sie Dolmetscherin der Dortmunder Brückenbau AG, mit der sie nach Deutschland einreiste. In Dortmund kamen Swetlana Geier und ihre Mutter in ein Lager für Ostarbeiter. 1944 zogen beide nach Freiburg/Br., wo die Tochter mithilfe eines Humboldt-Stipendiums Literaturwissenschaften und Sprachwissenschaften studierte. 1960 wurde die inzwischen verheiratete Mutter von 2 Kindern Russischlektorin an der Uni Karlsruhe, 1979-83 Lehrbeauftragte an der Uni Witten/Herdecke und bis 2010 Lehrbeauftragte an der Uni Karlsruhe. Auch unterrichtete sie an verschiedenen Waldorfschulen. 1953 begann sie ihre Übersetzertätigkeit für die Rowohlt-Klassik-Reihe. Im Alter von 65 Jahren wandte sie sich den Dostojewski-Romanen zu. Für ihre Verdienste um die Vermittlung russischer Kultur, Geschichte und Literatur erhielt Swetlana Geier zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Leipziger Buchpreis für Übersetzung, die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg und die Ehrendoktorwürde der Uni Basel und der Uni Freiburg. In ihrem Todesjahr erschien ihr Filmportrait „Die Frau mit den 5 Elefanten“. Swetlana Geier übersetzte auch Tolstoi, Bulgakow und Solschenizyn.

Ein Gedanke zu „World-Women: Swetlana Geier

  1. Diese Frau hat mich beeindruckt. Nach dem Film über sie war ich glücklich und tief bewegt. Dass es noch Menschen gibt mit brennenden Herzen und einer Tiefe, die ich heute selten finde. Seit dem hängt ein Zettel in meinem Atelier. Ich lese ihn jeden Tag. Der Autor des Films schrieb die Worte über sie: „Jemand, der sich für das was er tut, die Zeit nimmt, die die Dinge brauchen und somit auch die kleinen Dinge des Alltags zum Glänzen bringt.“ Ich liebe diese Frau und sollte sie mal Interesse haben, aus Maleraugen zu „gucken“ komme ich, wohin immer sie will. Koki van Trotten

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