WE mit Berlin-Woman: Rosen für Fanny Mendelssohn (Teil 1), von Mascha Blankenburg

die blaue Stunde

Fanny Hensel auf Berlin-Woman2009 lernte ich die Dirigentin, Komponistin, Musikerin und Autorin Mascha Blankenburg kennen. Sie faszinierte mich mit ihren vielen Talenten, die sie spielerisch miteinander verband. Sie schrieb gerade an einem Libretto über die Bildhauerin Camille Claudel und an ihrer Autobiographie. Mascha hab mir den entscheidenden Impuls, meine Agentur „Bees & Butterflies“ für Kreative wie sie zu gründen. 2012 wollten wir einen ihrer Texte in Serie auf Berlin-Woman posten. Es kam nicht mehr dazu. Nun bringen wir „in memoriam“ und auf ihren persönlichen Wunsch hin das Essay „Rosen für Fanny Mendelssohn“ aus der Anthologie „Ein Traum von Musik“. Unser Dank geht an Elke Heidenreich, die den Poste des Textes genehmigt hat.

Teil 1: Die Kopie des Autografs von Fanny Mendelssohns Oratorium nach Bildern der Bibel lag vor mir auf dem großen Arbeitstisch. Wie viele Stunden saß ich heute Nacht schon über ihrer Partitur? Mein Rücken schmerzte. Ich sah auf die Uhr. Halb 5. Ich hatte mit der Reinschrift der Dirigierpartitur begonnen, Orchesterstimmen, Chorpartitur und Klavierauszug würde ich nachfolgende schreiben müssen. Das Notenprogramm im Computer gab es 1983 noch nicht. In solchen Nächten war es jedes Mal dasselbe: Ich konnte mit der Transkription nicht aufhören. War ich in Fannys Manuskript am Ende einer Seite angelangt, so war ich auf meinem Notenblatt gerade in der Mitte angekommen und beschloss: Jetzt schreibe ich meine Partiturseite noch zu Ende, und dann höre ich auf. Dort angekommen, war ich in Fannys Partitur auf der Seitenmitte und entschied: Jetzt schreibe ich noch bis zum Ende ihrer Seite, und dann ist Schluss. Das konnte stundenlang so weitergehen. Natürlich war ich totmüde, aber meine Anspannung und Neugier war stärker als Morpheus´ Kräfte. Die Stille der Nacht schenkte mir höchste Konzentration. Das Bewusstsein, dass ich die Erste war, die diese Musik nach 153 Jahren hörte und für die Uraufführung vorbereitete, verlieh mir das stolze Gefühl der Einmaligkeit. Ich war mit Fanny allein, ganz eng mit ihr und ihrer innersten Seele verbunden. Es gab nur sie und mich, und wenn es irgendwo im nächtlichen Raum knackte, wagte ich nicht, mich umzudrehen, denn ich befürchtete, ja ich war mir sicher, dass sie hinter mir stehen und mir über die Schulter schauen würde.

Fortsetzung folgt

Elke Mascha Blankenburg, Rosen für Fanny Mendelssohn, in: Elke Heidenreich (Hg.), Ein Traum von Musik. 46 Liebeserklärungen, Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann, München 2010, S.43-51

Ein Gedanke zu „WE mit Berlin-Woman: Rosen für Fanny Mendelssohn (Teil 1), von Mascha Blankenburg

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