WE mit Berlin-Woman. Paradies: Liebe

die blaue Stunde

Glaube, Liebe, Hoffnung 2Paradies: Liebe. Allseits bekannt für seinen messerscharfen Realismus hat sich der österreichische Regisseur Ulrich Seidl dieses Mal die weiblichen Auswüchse des Lebens vorgeknöpft. Thema des ersten Films seiner Paradies-Trilogie Glaube, Liebe, Hoffnung ist der weibliche Sextourismus in Kenia. Herausgekommen ist ein Story, die uns endgültig den Glauben und die Hoffnung nimmt, dass Frauen die besseren Menschen sind. Der Streifen wurde bereits mit dem Österr. Filmpreis und dem Preis der österr. Filmjournalisten ausgezeichnet.

Seit Wochen läuft Paradies: Liebe in den Berliner Kinos. Nun hat auch Berlin-Woman den Film angeschaut. Kaum heftiger könnten die farbenprächtigen, barocken Filmbilder auf die unterirdische Filmstory prallen. Diese erzählt von Teresa, einer 50jährigen Wienerin, die als alleinstehende, übergewichtige Mutter einer übergewichtigen störrischen Tochter dringend Urlaub braucht. Es geht nach Kenia. Im Hotel am weißen Traumstrand warten schon ihre überfetteten, frustrierten Freundinnen, die nur eines im Kopf haben. Für ein paar Wochen pure „Selbstbefriedigung“. Diese verschaffen sie sich nicht nur beim Sonnengrillen auf der Ölsardinen-Liege am Pool, bei der völlig unanimierten Freizeitanimation oder bei zotigen Witzen an der Hotelbar. Nein, sie holen sich junge, knackige Kenianer ins Bett. Natürlich gegen Geld, das aber nicht direkt an den „Bumster“ sondern an die „kranke Schwester“, die „Schulleiterin“ oder andere scheinbar Bedürfte gezahlt wird. Schritt für Schritt holt uns die hervorragende Darstellerin von Teresa, Margarethe Tiesel, den bitterbösen Sachverhalt heran. Teresa gerät in einen Teufelskreis aus Liebes- und Sexrausch, Verletzung und Enttäuschung. Der Höhepunkt ist Teresas Geburtstag, zu dem sie von den Freundinnen einen jungen Mann „geschenkt“ bekommt. Ein abgekartetes Sexspiel entsteht, bei dem die Freierinnen um die schwächelnde Potenz des Callboys wetten. Der Tiefpunkt folgt auf dem Fuß, als Teresa den Barmann des Hotels abschleppt, der ihr dann aber doch die verlangten Liebesdienste verweigert. Da hilft auch der herrische Befehlston nichts mehr, den sich die eher sanftmütige Teresa gegenüber den Liebhabern angewöhnt hat.

Der weibliche Sextourismus boomt, er wird auf 20 % geschätzt. Die bevorzugten Länder sind Jamaika, Kenia, Ghana, Gambia, Südafrika und Thailand.

Paradies-Liebe, Regie: Ulrich Seidl/Veronika Franz, Kamera: Wolfgang Thaler/Ed Lachman, mit: Margarethe Tiesel, Peter Kazungu, Inge Maux, Dunja Sowinetz, Helen Brugat, Gabriel Mwarua, Carlos Mkutano, Josphat Hamisi, Melanie Lenz, Maria Hofstätter, 120 min, ab 18 Jahre

Paradies Liebe in den Berliner Kinos

Die Filmtrilogie: Glaube, Liebe Hoffnung

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