Berlin-Women: Hatun Sürücü (vor 8 Jahren von ihrer Familie ermordet!)

Berlin-Women

Gedenkstein für Hatun Sürücü
Gedenkstein zur Erinnerung an Hatun Sürücü,
Foto © TERRE DES FEMMES

Hatun Sürücü ist in ihrem Leben angekommen. Sie hat sich aus familiären Zwängen befreit, bewältigt die Herausforderung, zu arbeiten und allein-erziehende Mutter zu sein. Doch Hatuns Familie toleriert ihr „westliches“ und „sündiges“ Leben nicht. Am 07.02.2005  wird Hatun Sürücü in der Nähe ihrer Wohnung auf offener Straße von einem ihrer Brüder erschossen. Gabi Helmchen vom Berlin-Woman-Team erinnert:

An diesem Tag setzte in Deutschland die Diskussion über „Ehrenmorde“ ein, die bis heute geführt wird. „Ehrenmorde“ sind weder Einzeltaten noch Taten im Affekt. Sie sind das Resultat einer Familien-Entscheidung, mit der man die „beschmutzte“ Familienehre durch die Beseitigung des Auslösers wiederherstellt: Hatun Aynur Sürücü kommt 1982 in Berlin auf die Welt. Sie ist noch minderjährig, als sie in der Türkei zwangsverheiratet wird. Schwanger verlässt sie ihren Mann und kehrt 1999 nach Berlin zurück. Hier wird ihr Sohn geboren. Sie holt ihren Schulabschluss nach und beginnt eine Ausbildung zur Elektromechanikerin. Dann fühlt sie sich stark genug, erneut Kontakt zu ihren Angehörigen aufzunehmen. Doch die wert-konservative Familie fürchtet ihren Einfluss auf die jüngeren Schwestern. Kurz vor ihrer Gesellenprüfung wird Hatun am 07.02.2005 von ihrem Bruder Ayhan Sürücü mit 3 Schüssen aus nächster Nähe „hingerichtet“. Nur dieser Bruder wird verurteilt, die beiden anderen, die den Mord nachweislich mit anstifteten, fliehen in die TürkeiHatun Aynur Sürücü ist heute zu einer Symbolfigur für das Leid von Mädchen und Frauen geworden, die in wert-konservativen, patriarchalen Familien leben müssen. Zu einer Symbolfigur für Emanzipation, Mut, Stärke, Selbstbewusstsein und Integration konnte sie nicht mehr werden.

Ein Gedenkstein am Tatort erinnert an das Leben und Sterben von Hatun Sürücü. Hier legen jedes Jahr Einzelpersonen, Freunde, Vereine und Politiker Blumen nieder und es finden zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt.

mehr Informationen

„Ehrenmorde“ in Deutschland

Kriseneinrichtung Papatya

Jugendportal Zwangsheirat

Jugend- und Mädchennotdienst: Telefon 611 00 62 und 61 00 63

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