Berlin-Woman auf der Berlinale: „Gloria“ oder „bitte nur Sex auf Augenhöhe“!

Berlinale

Paulina Garcia
Bild: www.berlinale.de

Frauen auf der Lebensmitte sind DAS neue Filmthema der Berlinale 2013! „Camille Claudel 1915“ (mit Juliette Binoche), „Elle s´en va“ (mit Catherine Deneuve), „Pozitia Copilului“, „Hayatboyu“ oder „Gloria“, den unsere Mitbloggerin Sabeene gerade gesehen hat. Die vielfältigen Lebensentwürfe, der Mut zu Neuem, die ehrliche Binnenschau aber auch die Resignation dieser Frauen ab 50 füllt die Kinosäle und -kassen. Hier die Berlin-Woman Filmkritik zu „Gloria“ von Sabeene.


Gestern, am Montag habe ich die chilenische „Fortsetzung“ von Hayatboyu gesehen. Der Wettbewerbs-Film Gloria wurde im Berliner Tagesspiegel fulminant gefeiert, er würde das Festival in Schwung bringen: „Die Welt ist voller Glorias, wunderbare Frauen, die auf Leben und Liebe nicht verzichten wollen“. Das verwundert mich ein wenig, denn die Besetzung und Story von Gloria ist Hayatboyu nicht unähnlich: Gloria ist Mitte 50, allerdings schon von ihrem Mann geschieden. Auf der Geburtstagsfeier ihres gemeinsamen Sohnes erinnern sie sich an ihre frühere Liebe. Er ist wieder verheiratet, Gloria hat ihren Lover – zum ersten Mal – mitgebracht. Sie geht oft und gerne tanzen, und vieles im – nicht grauen – Filmgeschehen wird über die Musik vermittelt. Beim Tanz hat sie auch Rudolfo kennengelernt, der sich zwar sehr um sie bemüht, aber zugleich in den Fängen seiner unemanizipierten Töchter und geschiedenen Frau verstrickt ist. Das Paar hat akzeptablen Sex, der Ela von Hayatboyu ja verwehrt blieb. Doch Rudolfo kann seine Familie nicht in ihre Schranken verweisen. Anders als in Hayatboyu handelt Gloria aktiv und verlässt Rudolfo. In beiden Filmen haben die Eltern den Kontakt zu ihren erwachsenen Kindern verloren. Trotz Familie sind sie am Ende alleine, was Gloria zumindest dazu bewegt, wieder tanzen zu gehen. Bei all diesen Stories, Paradies: Liebe mit eingeschlossen, kommt frau dann doch ins Grübeln, welche Perspektiven sich mit 50+ bieten. Sexismus à la Brüderle, nein danke. Sex auf Augenhöhe, ja bitte! Sabeene grüßt herzlich von der Filmfront.

Gloria, R: Sebastián Lelio, Chile, Spanien 2012, D: Paulina García, Sergio Hernández, Diego Fontecilla, Fabiola Zamora. Weitere Vorführungen auf der Berlinale

Sabeene ist Sabine Kamp und Inhaberin des Projektbüros MUT: Mediation, Unabhängige Beratung, Texte

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