Berlin-Woman auf der Berlinale: Sag niemals „Hayatboyu“-lebenslang

Berlinale

Ehealltag auf Berlin-Woman
Ehe

Hurra, Berlinale Karten für Berlin-Woman. Am Freitag gab es die türkische Filmproduktion „Hayatboyu“ der Regisseurin Asli Özge mit Defne Halman und Hakan Cimenser in den Hauptrollen. „Lebenslang“ führte uns ein grau-sames Eheleben in der Istanbuler Kunst-Schickeria vor Augen.

Ela und Can laufen die Metallwendeltreppe in ihrer exklusiven Instanbuler Stadtwohnung auf und ab. Nachdem sie in der ersten Szene ihren angestrengten Sex absolviert haben, hört man erst ihn und sieht dann sie im vollverglasten Badezimmer unter der Dusche. Es gibt noch eine hübsche Tochter, 2 tolle Jobs als Architekt und Fotokünstlerin, einen dicken Wagen und schicke Designerklamotten. Ela und Can sind die Globalisierungs-Gewinner mit einem Luxusleben, das sie in jeder westlichen Weltmetropole führen könnten. Eines haben sie jedoch nicht: Farben. Das mittelalterliche Paar trägt grau, und so ist auch ihr Zusammensein. Sie teilen keine Worte, keine Gefühle, keine Situation. Zwischen ihnen herrscht lähmende, grau-same, farblose Leere. Manchmal brechen sie aus: Ela hört über die Telefonanlage die heimlichen Telefongespräche ihres Mannes mit. Hämisch lacht sie ihn aus, als eine Barkeeperin ihn auf 40 Jahre schätzt. Can fährt unangemeldet ein Wochenende in ein Erdbebengebiet, wo er gebaut hat. Er bemüht sich um Fitness, die er dann aber erschöpft abbricht. Ela kifft mit einer Galeriekollegin. Sie sucht die körperliche Nähe zu Can. Vergebliche „Liebesmüh“! Selbst Elas Suche nach einer eigenen Wohnung wird zur Qual. Der Ehemann begleitet sie und muss den Maklern erzählen, dass seine Frau ein Studio für ihre Arbeit benötigt. Lustlos streifen sie durch leere Zimmer in leeren Luxusappartements. Am Ende blicken sie von einer gegenüberliegenden Wohnung auf ihr Stadthaus. Ela hat vergessen, in der  Küche das Licht auszumachen. Da bleibt uns nur noch, Ela zu „Paradies-Liebe“ von Ulrich Seidl zu schicken. Damit aus „lebenslang“ nicht „lebenslänglich“ wird.

Hayatboyu, weitere Aufführungen auf der Berlinale

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.