WE mit Berlin-Woman: Die Banalität des Bösen, „Hannah Arendt“ von Margarethe von Trotta

die blaue Stunde

Hannah Arendt auf Berlin-Woman

Hannah Arendt raucht Kette, trägt hochtoupiertes Haar, Perlenkette und Schneiderkostüm. Im amerikanischen Exil ist sie eine vielgefragte Unidozentin. Die Student/innen hängen an ihren Lippen, wenn die Philosophin über das leidenschaftliche, freie Denken und totalitäre Staatssysteme spricht. Anlässlich des Eichmann-Prozesses in Jerusalem erforscht die Wissenschaftlerin „das Böse“. Selbst für die begnadete Schauspielerin Barbara Sukowa ist das keine leichte Rolle im Film von Margarethe von Trotta.

10 Jahre hat die Regisseurin Margarthe von Trotta für den Spielfilm „Hannah Arendt“ gearbeitet und gekämpft, seit Anfang Januar 2013 läuft er in den deutschen Kinos. Er fokussiert auf die amerikanische Exilzeit der politischen Philosophin und Berlin-Woman Hannah Arendt, genauer auf die Jahre 1960-64, die in einer wunderbar authentisch wirkenden Filmausstattung spielen. Die Rolle der begnadeten Philosophin, die zur Querdenkerin wird, nimmt man der Darstellerin Barbara Sukowa unbedingt ab. Doch ist uns Sukowas Hannah Arendt manchmal zu metallisch. Der Film thematisiert den Prozess des SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann vor dem Jerusalemer Bezirksgericht, den die Philosophin mitverfolgt und in 5 Artikeln für den „New Yorker“ und im Buch „Eichmann in Jerusalem“ aufarbeitet. Schockiert entdeckt Hannah Arendt im Hauptverantwortlichen für die Vernichtung der deutschen Juden keinen Dämon, sondern einen kalten, mediokren Bürokraten. Sie wagt eine neue Definition des Bösen: Das Böse ist banal, unverantwortlich, unmoralisch, es erzeugt Sinnlosigkeit. Darüberhinaus bricht Arendt mit dem Schwarzweiß-Schema: Täter/Opfer. Ihrer Meinung nach war das totalitäre System des Nazideutschlands so demoralisiert, dass es auch die Opferseite – in Gestalt der Judenräte – zum Verrat an den eigenen Leuten zwang. Mit ihren Thesen brachte die mutige jüdisch stämmige Philosophin die gesamte westliche Welt, allen voran die jüdischen Verbände und Gemeinde, gegen sich auf. Aber sie blieb dabei: Das Böse ist überall, auch in uns selbst! 

Der Film „Hannah Arendt“ in den Berliner Kinos 

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