Berlin-Woman: koreanisches Reisetagebuch, Teil 5

Berlin-Taiwan/Korea

Besuch bei den Überlebenden© Berlin-Woman

Anläßlich der Projektreise nach Korea, die Berlin-Woman zum Thema „Comfort-Women“ 08.-17.12.2012 unternommen hat, bringen wir eine Serie. Eine Bildstrecke ist mit dabei.  Habt Dank für euer Interesse und eure Anteilnahme. Ah-Ma keep on fighting!

Teil 5: 13./14.12.2012. Früh brechen wir zum „House of Sharing, Residence and Museum for suvivors of Japanese Military Sexual Slavery during WW II“ auf, das in einer Provinzstadt bei Seoul liegt. Es schneit und ist sehr kalt. Das „House of Sharing“ ist Residenz, Museum, Dokumentationsstelle, Begegnungs- und Grabstätte. Hier sind die Überlebenden untergebracht. Wir schauen uns die Dokumentation und die Kunst der „Trostfrauen“ an. In einer mehrjährigen Kunsttherapie haben die Betroffenen Bilder über ihr unsägliches Leiden geschaffen, darunter prachtvolle, großformatige Gemälde, Drucke und Zeichnungen von starker Expressivität. Dann gehen wir zu den „Trostfrauen“ selbst. Sie sind 80-90 Jahre alt, äußerst lebendig, neugierig und lustig. Alle haben schick lackierte Nägel und legen größten Wert auf ihre Kleidung. Es sind Frauen, denen das Leben alles genommen hat. Viele konnten auch nach dem Krieg nicht in ihre koreanische Heimat zurückkehren. Sie schlugen sich mit einfachen Jobs durch, waren gesellschaftlich geächtet und leiden bis heute unter großen körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen. Und trotzdem lachen und quatschen sie, sie genießen das öffentliche Interesse. Sie wissen, dass sie ein hohes Gut ihres Landes sind. Diejenigen, die fit genug sind, betätigen sich als Aktivistinnen. Allesamt besitzen sie etwas, das ihnen keiner nehmen kann und konnte: Einen unsagbaren Lebensmut und -willen. Nach dem Besuch fahren wir in die Stadt und mieten 2 Zimmer in einem sog. „Lovehotel“. Hier gehen normalerweise junge Paare stundenweise hin. Unsere Räume im 10. Stock sind im coolen Design gehalten, jeweils mit einem Riesenbadezimmer. Der Blick geht auf weitere Hotelburgen, die nachts bunt angestrahlt sind. Eine Szene wie in einem Sci-Fi der 1980er Jahre. Immer wieder habe ich das Gefühl, nicht nur an einen komplett anderen Ort auf der Welt, sondern in eine andere Zeit gebeamt worden zu sein.

Fortsetzung folgt

das koreanische Reisetagebuch

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