WE mit Berlin-Woman: koreanisches Reisetagebuch, Teil 4

die blaue Stunde 

Mittwochdemo in Seoul, 19.12.2012 © Berlin-Woman

Zur blauen Stunde bringen wir eine Serie über die spannende Projektreise nach Korea zum Thema „Comfort-Women„, die Berlin-Woman 08.-17.12.2012 unternommen hat. Eine Bildstrecke ist mit dabei. Habt eine gute Zeit!  

Teil 4: 12.12.2012 Heute ist die wöchentliche Mittwochdemo vor der japanischen Botschaft. Anwesend sind Politiker, die Historikerin, die in den 1970er die Trostfrauenthematik entdeckte, Geistliche, Aktivist/innen, Schüler/innen, Journalist/innen. Zwei ehem. Trostfrauen sind auch dabei, sie thronen an zentraler Stelle vor dem Publikum, heben die Faust und fordern von Japan Rehabilitation, Entschuldigung und Entschädigung. Auf dem Areal vor der Botschaft befindet sich die Mädchen-Statue, eine Bronzefigur von einem Schulmädchen mit dem Schatten einer alten Frau. Das Mädchen trägt eine Pudelmütze und einen Schal, zufälligerweise sieht ihre Mütze aus wie meine. Die Flagge auf der japanischen Botschaft baumelt schlapp im Wind. Bei der Demo treffen wir Natalys Freunde: die Malerin Song Eunyong und ihren Mann. Sie zeigen uns das Galerienviertel. Intelligent und humorvoll zitieren die zeitgenössischen koreanischen Künstler/innen die europäische Kunst und Kunstgeschichte und kombinieren sie mit Bildmotiven aus der Populärkultur. Die Kreativen in Seoul haben viel Ähnlichkeit mit den Berliner Kolleg/innen. Ich fühle mich ihnen nah. Wir fahren mit dem Taxi, dem Bus und der UBahn endlose Straßenschluchten entlang. Jede/r hat eine elektronische Karte, die für alle Transportmittel gilt, und mit der man ein- und auscheckt. Überall piept es, überall gibt es sanfte Musik, und der Fahrstuhl kündigt jede Etage an. So viele Menschen! Manchmal bin ich überfordert, denn alles ist anders. Heimweh packt mich, und plötzlich laufen mir die Tränen einfach so übers Gesicht. Aber dann gibt es wieder etwas zu essen. Die Geschmacksfülle, der interessante Ablauf der Mahlzeit, die intensiven Gespräche und die Heiterkeit der Koreaner/innen trösten mich. Die Stadt der Zukunft fordert alles von mir!

Fortsetzung folgt

das koreanische Reisetagebuch

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