Berlin-Women: Irène Joliot-Curie

Berlin-Women

Bild: physics.ucla.edu

0 % Frauenquote bei der Nobelpreisverleihung 2012! Unglaublich aber wahr. Dabei befinden sich immerhin 40 Frauen unter den insgesamt 802 Ausgezeichneten. Das ist eine 5 % Frauenquote für einen der begehrtesten Preise auf der Welt seit 1901. Berlin-Woman findet das wenig genug, denn kompetente, professionelle Frauen hat es immer schon gegeben, wie diese Serie beweist. Heute stellen wir Nobelpreisträgerin Nr. 5 vor: Irène Joliot-Curie.  

Irène Joliot-Curie (1897-1956) ist eine französische Mathematikerin, Physikerin und Antifaschistin. 1935 erhielt sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Frédéric Joliot-Curie den Nobelpreis in Chemie. Sie entdeckten die künstliche Radioaktivität, über die man Stoffwechselprozesse sichtbar machen kann. Irène Curie war die Tochter der Nobelpreisträger Marie und Pierre Curie. Ihre Schwester ist die Schriftstellerin Eve Curie, sie selbst ist die Mutter der Kernphysikerin Hélène Langevin-Joliot und des Biochemikers Pierre Joliot. Die Naturwissenschaftlerin besuchte zunächst eine von ihrer Mutter organisierte Lernkooperative, später dann das Collège Sévigné. Als 17Jährige assistierte sie beim Röntgen-Kriegsdienst von Marie Curie und leitete dann eigenständig eine Röntgenstation. 1914 nahm sie ihr Studium der Mathematik und Physik an der Universität von Paris auf. 1925 promovierte sie über Alphastrahlen. Am Radium-Institut ihrer Mutter, wo sie seit 1915 arbeitete, lernte sie Frédéric Joliot kennen, den sie 1926 heiratete. 1936 trat die Nobelpreisträgerin als Staatssekretärin für Wissenschaft und Forschung in Regierungsdienste. Sie gehörte zu den ersten 3 Frauen im französischen Kabinett überhaupt. 1937 wurde sie Professorin an der Sorbonne und hätte beinahe die Kernspaltung entdeckt. Otto Hahn berief sich auf ihre Forschungsergebnisse zur Halbwertzeit von Neutronen, definierte die Kernspaltung und erhielt 1944 den Nobelpreis für Physik. Ihre antifaschistische, kommunistische, emanzipatorische Gesinnung und ihre Position als staatlich anerkannte Forscherin führten immer wieder zu Konflikten. So musste das Ehepaar Curie das von den Nationalsozialisten besetzte Paris 1940 kurzfristig verlassen, 1944 ging Irène Curie in die Schweiz. Ab 1945 arbeitete sie an der neuen französischen Atombehörde, wurde aber im Kalten Krieg zunehmend von amerikanischen und britischen Kollegen ausgebootet und 1950 ihres Amtes enthoben. Viermal bewarb sie sich erfolglos für eine Mitgliedschaft in der Akademie der Wissenschaften, auch um die dort herrschende Frauenfeindlichkeit offen zu legen. 1950 wurde sie mit ihrem Mann korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR. Irène Curie starb 1956 an Leukämie, sie erhielt ein Staatsbegräbnis.

Wislawa Szymborksa

Selma Lagerlöf

Marie Curie

Bertha von Suttner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.