WE mit Berlin-Woman: „Verzeiht den anderen ihr Anderssein“! Zur Geschichte der Sinti und Roma

die blaue Stunde

Flagge der Roma

Das Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas ist nun eingeweiht. Im Grünareal am Reichstag, hinter Bäumen lädt die Gedenkstätte dazu ein, sich in die wenig bekannte Geschichte der Sinti und Roma zu vertiefen: 

Sinti und Roma ist der Oberbegriff einer Bevökerungsgruppe mit heute 10 Mio. Zugehörigen, die sich von Indien über Vorderasien und Afrika auf alle Kontinente verstreute. Etwa 50 % lebt jedoch in Südosteuropa. Neben etlichen Dialekten spricht sie die gemeinsame Sprache Romani. Unter dem diskriminierenden Namen „Zigeuner„, der aus dem 9. Jahrhundert stammt und vor allem durch die rassistische Umdeutung durch die Nationalsozialisten eine negative Konnotation erhalten hat, sind die Sinti und Roma den meisten bekannt. Die ungenaue Klassifizierung als „fahrendes Volk“ trägt ebenfalls zu Vorurteilen gegenüber einer Bevölkerungsgruppe bei, die zu 95 % und seit vielen Generationen sesshaft lebt. Die Mobilität der Sinti und Roma ist heutzutage wirtschaftlich und politisch bedingt.  500.000 Sinti und Roma fielen dem Völkermord der Nationalsozialisten zum Opfer. Und bis heute setzten sich Benachteiligung, Verfolgung und Abschiebung fort.  Ende der 1970er Jahre standen die Sinti und Roma auf, gründeten 1982 ihren Zentralrat und kämpften für ihre Anerkennung als nationale Minderheit, die sie 1997 in Deutschland erhielten. Ihr kulturelles Erbe ist das Modell der Großfamilie, die das Leben und die Arbeit gemeinschaftlich und mittels differenzierter Regeln gestaltet. Auch ist die Musik tief in ihrer Kultur verwurzelt, die wiederum den Flamenco und Jazz stark beeinflusst hat. Die Beschäftigung mit der Geschichte und Kultur der Sinti und Roma erweitert unseren Horizont und fordert unsere Empathie und Akzeptanz. Bei der Denkmaleinweihung am 24.10.2o12 brachte es die Auschwitzüberlebende Sintezza Philomena Franz (*1922) auf den Punkt: „Verzeiht den anderen ihr Anderssein„!

Habt einen schönen Samstag und Sonntag und spaziert mal zum Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas. Simsonweg/Scheidemannstr., zwischen Brandenburger Tor und Reichstagsgebäude, 10117 Berlin. Das Denkmal ist durchgehend zugänglich.

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