Berlin-Women: Die Haller Girls

Berlin-Women

1923-28 sind die Jahre der Haller Girls, 16 Tänzerinnen, die der Revuemeister Herman Haller in verschiedenen Showen im Berliner Admiralpalast auftreten lässt.  Vor 11.000 Menschen tanzen die Showgirls allabendlich ihre durchnummerierten Choreographien, man(n) kann nur zu den Lieblingsstellen erscheinen, gucken und dann wieder gehen. Die durchtrainierten, ebenmäßig geformten und langbeinigen Girls tragen goldene Miniröckchen, Netzstrümpfe, Topfhut, Boa oder Federkopfschmuck.  Sonst nichts. Trotz der Verruchtheit, die den Haller-Revuen mit den vielsagenden Titeln „Drunter und Drüber„, „Noch und Noch„, Wann und Wo“ anhaften, ist der Job als Haller-Girl begehrt. Telefonfräuleins, Modistinnen und Ladenmädchen träumen von dieser Tänzerinnen-Karriere für 150 Mark Gage pro Abend.  Die sind hart verdient: Von 150 Bewerberinnen werden 3 engagiert, der Körper muss gesund und trainiert sein, und wer nicht spurt, fliegt raus.

Vorbild der Haller-Girls sind die Tiller-Girls, eine britische Erfindung. Völlig synchron tanzten sie ihre Formationen, die wie Bewegungen einer Riesenmaschine wirkten. Mit ihrer androgynen, sportlichen Erscheinung verkörperten die Tiller-Girls ein neues Frauenbild. Ihr Tanz wurde Sinnbild der Maschinen- und Industriekultur des frühen 20. Jahrhunderts.

Dieser Artikel beruht auf Informationen aus dem sehr lesenswerten Band: Berliner Typen, mit Bildern und wahren Geschichten von Kitty Kahane und Brit Hartmann, Nicolaische Verlagsbuchhandlung GmbH, Berlin 2010, ISBN 978-3-89479-588-7

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