WE mit Berlin-Woman: Anne Butterfield, Ich bin da noch mal hin. Mit Gott und Hape auf dem Jakobsweg. Teil 4

die blaue Stunde

Anne Butterfield wanderte 2001 den Jakobsweg, begegnete Hape Kerkeling und wurde eine der Hauptfiguren in „Ich bin dann mal weg“. Nach einer erneuten Camino-Tour hat die humorvolle, polyglotte Britin nun ein eigenes Buch über das Pilgern per Rad und zu Fuß, über Kunst und Kultur, Fußball und die Menschen auf dem Jakobsweg geschrieben. Berlin-Woman bringt Auszüge aus: „Ich bin da noch mal hin“. Life erleben könnt ihr Anne auf ihrer aktuellen Lesetour „Pilgern & Lesen“. 4. und letzer Auszug: 

7. Juli 2010, von Molinaseca nach Villafranca del Bierzo (S. 269f): Als ich durch die Puerta del Perdón (Tür der Vergebung) die Santiago-Kirche in Villafranca betrat, war es 17 Uhr. 2001 hatten Hans und ich unter diesem Portal im Scherz verlangt, dass man uns sofort unsere compostelas aushändigte. Doch heute scherzte ich nicht, als ich die sello-Stemplerin in der dunklen Kirche ansprach. „Warum ist diese Pilgerreise so anstrengend?“, wollte ich von ihr wissen, als sie ein winziges Kreuz in ovalem Rahmen in meine credencial stempelte. „Es war Ihre Entscheidung zu kommen!“, blaffte sie mich an. Ein kleiner Stups hätte schon vollkommen genügt, um mich umzuhauen. Eine derart grobe Antwort hatte ich in dem geheiligten Kirchenschiff, in dem seit der Zeit von Papst Kalixt III. kranke Pilger die gleich Absolution erhalten, die sonst nur am Grab des heiligen Jakob zu haben ist, nicht erwartet. Die Zeiten ändern sich, dachte ich. „Was haben Sie für ein Problem?“, fauchte mich die sello-Stemplerin an. Ein Problem haben wohl Sie!, fuhr es mir durch den Kopf. „Na ja, äh, ich bin diese Woche zu viel gewandert und wegen der Blasen verliere ich Zehennägel. Und hier tut es mir auch weh, wie heißt das noch mal?“, fragte ich und zeigte auf meine Achillessehne. „;Tendón de Aquies!“, verkündete sie. „Äh, ja meine tendón de Aquiles ist geschwollen. Gerade habe ich für fünf Kilometer zwei Stunden gebraucht. In den Weingärten hatte es achtunddreißig Grad. Ich hätte sterben können“, sagte ich, ein vergeblicher Appell an ihr Mitgefühl. „Ohne Leiden geht es nicht“, sagte sie nüchtern. „Ach ja? Warum?“. „Dies ist ein Weg, auf dem man Buße tut.“ „Wozu ist Leiden gut?“ „Es ist wichtig, damit Ihre Familie merkt, wie leid es Ihnen tut.“ Ich war mir nicht bewusst, meiner Familie gegenüber irgendwelche Todsünden begangen zu haben. Womit hatte ich diese Qualen verdient? Dann, aus heitrem Himmel, war für die sello-Stemplerin unser Gespräch, das ins 15. Jahrhundert gepasst hätte, erledigt und sie kehrte in die Gegenwart. „So dachte man eben früher. Heute glauben wir an all das nicht mehr“, sagte sie lächelnd und schüttelte mir kräftig die Hand.

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Lesereise „Pilgern & Lesen“ mit Anne Butterfield, 04.-26.10.2012, (Berlin, Grevenbroich, Frankfurt/M., Duisburg, Oberhausen, Münster, Bremen, Hamburg Details hier und auf Facebook) 

MP

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