WE mit Berlin-Woman: Xerxes in Frauenhand

Die blaue Stunde

Stella Doufexis als Xerxes, Foto: www.komische-oper-berlin.de

Perserkönig Xerxes macht sich trotz Verlobung mit Amastris an Romilda, die Geliebte seines Bruders Arsamenes heran. Währenddessen begehrt Romildas Schwester Atalanta Arsamenes. Sie drängt ihre Schwester, sich auf den König einzulassen, damit sie freie Hand hat. Intrigen, Wirren, Untergänge, Comingbacks und ein Happy End bestimmen diese herrliche antike Lovestory, die Georg Friedrich Händel zu einer Oper inspirierte. Aktuell hat Stefan Herheim daraus eine unglaubliche Inszenierung gemacht:

Xerxes ist ein sexbesessener Narziß, der manchmal an den Karibikpiraten Jonny Depp erinnert.  Atalanta ist eine üble Intrigantin, die kaltblütig alle Tötungsmittel einsetzt, um ihre Schwester außer Gefecht zu setzen. Arsamenes Diener Elviro verwandelt sich in eine Berliner Transe und des Königs Verlobte Amastris überragt den Geliebten um Kopfeslänge.  Dazwischen tändeln das königliche Heer, Engelsfiguren, Nixen, Meeresgötter und ein paar zerlumpte Londoner Bettler herum. Die Texte sind auf deutsch, italienisch und Berlinerisch. Der ein oder anderen rutscht auch mal ein Schimpfwort bzw. ein Ausruf in schönster Umgangsprache heraus. Aber das Tollste: Alle wichtigen Männerrollen sind von Frauen besetzt. Stella Doufexis als Xerxes und Karolina Gumos als Arsamenes spielen und singen atemberaubend männlich. Kaum schöner könnte Mann in ihrem Outfit ausschauen. Die Kostüme von Gesine Völlm und das Bühnenbild von Heike Scheele sind ebenso amüsant-ironisch, wie die gesamte Inszenierung, die das Intrigen- und Kastratentum der italienischen Oper in London zu Händels Zeiten mächtig aufs Korn nimmt. Die Inszenierung wandert nun weiter nach Düsseldorf. Wenn sie wiederkommt: unbedingt hingehen!

Xerxes. Dramma per musica in 3 Akten von Georg Friedrich Händel, Musikalische Leitung: Konrad Junghänel, Inszenierung: Stefan Herheim. Koproduktion mit der Dtsch. Oper am Rhein

2 Gedanken zu „WE mit Berlin-Woman: Xerxes in Frauenhand

  1. Ich habe die Oper gesehen und fand sie auch hinreissend, unbedingt hingehen, kann ich da auch nur sagen. Ich habe mich selten so gut unterhalten gefühlt.

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