Berlin-Women: Zeitungsfrau Emma

Berlin-Women

Birgit Waller, Zeitungsfrau Emma 2010, www.blogs.taz.de

Heute stellt unsere Mit-Bloggerin Sa-beene ihre Berlin-Woman vor. Es ist eine besondere Berlinerin:

Meine spezielle Berlin-Woman ist „Emma“. Dass sie so heisst, wie meine Enkeltochter, macht sie mir noch sympathischer. Emma ist eine ältere Dame mit osteuropäischem Akzent. Sie sitzt tagaus tagein mit ihrem improvisierten Zeitungsstand vor dem Prinzenbad in Berlin-Kreuzberg, strickt und wünscht jeder Besucher/in einen schönen Tag, Gesundheit und alles Gute.Die Leute aus dem Café im Bad haben sie in ihr Herz geschlossen und servieren ihr oft ein kleines Frühstück mit Kaffee, belegtem Brötchen und einem Apfel. Wenn die Badesaison im September vorbei ist, zieht Emma an die Admiralbrücke um, wo sie selbst bei Minus-Temperaturen eingewickelt in Decken und Mänteln ihr kleines Zubrot erwirtschaftet. Manchmal bringe ich ihr ein Brötchen, wenn ich auf dem Rückweg vom Bäcker bei ihr vorbeikomme. Ich habe ihr auch schon dicke Socken gegeben, und als nächstes will ich ihren Strickgarnvorrat ergänzen. Ich bin von ihrer Freundlichkeit fasziniert. Sie scheint mit ihrem Schicksal, was ein leichtes nicht sein kann, im Reinen zu sein. Als sie im Frühjahr eine Zeitlang nicht an ihrem Platz war, habe ich mir Sorgen gemacht. Wie erfahre ich, was mit ihr ist, wenn sie nicht mehr da ist?

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