Unvergesslich: Berlin-Woman feiert mit einer 100Jährigen Geburtstag

kreative Unternehmerinnen

zwei 100Jährige aus dem Fotoprojekt "Jahrhundertmensch" des Fotografen Karsten Thormaelen

Die Tante unserer ambitionierten Mitbloggerin und Kollegin Sabeene feierte ihren 100sten. Ein ganzes Jahrhundert, wie geht das? Sabeene gibt exklusiv und vor Ort Einblick in das besondere Ereignis:

Tante Anni ist seit 3 Jahren bettlägrig aber geistig in guter Verfassung. Sie entscheidet gemeinsam mit uns, was zu tun, was zu lassen ist. Als erstes sagen wir alle honorigen Besuchsanfragen ab. Und warten dann relaxt auf das, was da kommen mag. Nach dem Frühstück der 1. Blumenstrauß, Absender: die Hausärztin, bei der Anni seit der Gründung Patientin ist. Die Ärztin (70 Jahre) ist jetzt im Ruhestand, ihre Tochter hat das Geschäft übernommen. Dann geht es Schlag auf Schlag: die Nachbarin (mit Blumen und Rosenseife). Das nächste Gebinde mit einem Gruß vom Neffen (73 Jahre alt), der viel kränker als Anni ist und sich nicht bewegen kann. Der Pfarrer (mit Fair und Bio-Saft, Schokorosinen und Honig), neu in der Gemeinde, möchte sein Schäfchen kennenlernen. Die Dame vom Hospizverein (mit Blumen). Sie besucht Anni 1x pro Woche und gehört zu den engsten Vertrauten. Regulärer Einsatz vom Pflegedienst (mit Blumen und Körperlotion), der Pfarrer geht, der fahrbare Mittagstisch kommt, die Nachbarin geht, die Hospizdame ebenso. Anni ist aufgeregt, sie kriegt keinen Bissen runter. Eine Paketkarte im Briefkasten. Ich hole die Beute: Das Land NRW schickt ein Carepaket: Pinkus Bräu Altbier, Korn, Likör, Pumpernickel, Kaffee, Honig, Marmelade, Kerzen und Kaminanzünder. Westfälischer Schinken und Mettwürstchen sind nicht dabei, aber ein netter Brief von Hannelore Kraft und eine Beurkundung, dass Anni tatsächlich 100 Jahre alt ist. Wer hätte das gedacht? Dann kommt eine Kollegin vom Notruf (mit Blumen und Karte mit den Unterschriften aller Mitarbeiterinnen). Die Stadt schickt Blumen und Pralinen in „historischer“ und keiner „alten“ Schachtel. Und dann der obligatorische Brief vom Bundespräsidenten, ohne Darlehnsbekundigung. Ob sie eine bedeutende Persönlichkeit wäre, wird sie von den Gästen gefragt. Postalische Grüße von Freundinnen, von der Apotheke (15 € Gutschein, dem Hörgeräte-Akustiker (Batterien-Gutschein) und der Sparkasse (ohne) verzögern die Antwort. Ich besorge größere Vasen und Anni verschläft den Geburtstagsrest. Doch vorher stellt sie mit einem glücklichen Lachen fest: „Ich bin keine bedeutende, ich bin eine vergessliche Persönlichkeit!“

Die Schönheit des Alters, mit einer Fotostrecke von Karsten Thormaelen

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