Berlin-Women: Margareta Morgenstern

Berlin-Women

Margareta Morgenstern, geb. Gosebruch von Liechtenstern, (1879-1968), war Anthroposophin, Mitarbeiterin und Ehefrau des Dichters Christian Morgenstern.  Die Berliner Generalstochter erhielt die übliche „Höhere Töchter“-Bildung. Jedoch verweigerte sie sich einer standesgemäßen Eheschließung und blieb bis zu ihrem 30. Lebensjahr ledig. 1908 traf sie den Schrifststeller, Dichter und Übersetzer Christian Morgenstern in Dreikirchen (Südtirol). Es war Liebe auf den ersten Blick.  Da der Künstler lungenkrank war und beide Familien die Beziehung vorerst ablehnten, zögerten sie mit ihrer Heirat bis zum Frühjahr 1910. Margareta Morgensten hörte 1909 einen Vortrag von Rudolf Steiner im Berliner Architektenhaus und schloss sich dessen Kreis an. Der Dichter folgte seiner Partnerin, beide wurden Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Die Anthroposophie steckte damals noch in ihren Anfängen und duldete Liberalismus und vor allem Humor. Die nur 4 gemeinsamen Ehejahre verbrachten die Morgensterns an klimatisch milden Orten, um die Erkrankung des Dichters zu lindern. Margareta Morgenstern oblag die Organisation der Reisen in die Schweiz und nach Italien, sie beriet sich mit Ärzten und widmete sich den Pflegeaufgaben. Parallel dazu wurde sie persönliche Schülerin Rudolf Steiners und vermittelte ihrem unabkömmlichen Mann die neuen anthroposophischen Lehren. 1913 entwickelte sich eine enge Freundschaft mit dem Anthroposophen Michael Bauer, eine spirituelle Ménage à Trois. Nach dem Tod Christian Morgensterns im Frühjahr 1914 teilte Margareta dann das Leben mit dem Freund, 1915 zog sie mit ihm zusammen, 1919 bauten sie ein Haus am Ammersee. Von da an widmete sie sich der Nachlassverwaltung von Christian Morgenstern. Michael Bauer unterstützte sie dabei und verfasste zudem eine Morgenstern-Biografie. Margareta Morgenstern brachte immer wieder Bände mit Gedichten, Aphorismen und Briefen Christian Morgensterns heraus. Sie trug dazu bei, dass Morgenstern heute zu den anerkannten Dichtern des beginnenden 20. Jahrhunderts gehört. Die Gedichtgestalten: Korf und Palmström, das Mondkalb und personifizierten Phänomene wie der Seufzer oder der Schnupfen begleiten Berlin-Woman seit ihrer Kindheit. Mit Dank an Margareta Morgenstern für dieses wunderbar verrückte kulturelle Erbe hier nun eine kleine Kostprobe. Das ästhetische Wiesel: „Ein Wiesel saß auf einem Kiesel/ inmitten Bachgeriesel./ Wisst ihr weshalb?/ Das Mondkalb/ verriet es mir im Stillen./ Das raffinierte Tier/ tat’s um des Reimes Willen“.

2 Gedanken zu „Berlin-Women: Margareta Morgenstern

  1. Liebe Autorin, bei Internetrecherchen fand ich diesen interessanten Eintrag. Diese Biografie ist besser , persönlicher und auf Margareta bezogen als alle anderen mir bekannten.
    Da ich für unser neues Christian Morgenstern Literatur-.Museum auf dem Galgenberg in WErder (Havel) ua. auch eine Seite und Vitrine zur Würdigung M;argaretas vorbereite, werde ich gern auf Aussagen Ihres Beitrages zurückgreifen.
    Mit freundlichen GRüßen an Berlin-Woman
    Achim Risch

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