Sonntag auf Berlin-Woman: Der Falbenclub von Cora Fritz, Teil 2

Die blaue Stunde

Am Sonntag gibt´s auf Berlin-Woman immer etwas Besinnliches: Texte, Gedichte, Träumereien.  Denn jede/r sollte sich mal eine Blaue Stunde leisten. Aktuell haben wir eine 6-teilige Erzählung der Autorin und eingefleischten Clubkennerin Cora Fritz. Ihr gehören die Nacht- und Nebelstunden und der frühe Morgen, wenn sich der dunkle Berliner Himmel rötlich färbt.  Hier nun „Der Falbenclub„. Teil 2:

Fremder, glaube kein Wort. In Wirklichkeit hockte ich frierend auf einer kalten Steintreppe, Gottseidank kein Regen. Vor mir tanzen Falbenpärchen Tango. Freaks, Reiche, Berühmte, ABC-Promis, Junge, Alte, Falbenfrauchen, eine drollige Gesellschaft. Die Falbenmännchen benehmen sich alle gesittet, Sittiche, gezähmte Sittiche. Die Falbenfrauchen auf Highheels versprühen eine Leidenschaft, direkt aus dem Tanzsportladen importiert. Krallen scharren auf dem Boden, ein Geräusch aus der Eissporthalle. Einige machen es schön, Bewegung und Gegenbewegung sind harmonisch, sie umfliegen einander. Andere werfen ihre Beine in die Luft und treten aus wie wild gewordene Hühner. Achtung: Sicherheitsabstand bewahren, sonst Rempelflecken. Eine grellblond gefärbte, getigerte Falbentussi zetert mit ihren gelangweilten und ungezogenen Falbensöhnen. Dann nimmt sie ihren Partner theatralisch in die Kralle. Eine misslungene Liebesszene. Später hüpft sie auf einem Bein die Treppe hoch und mich fast um. Ich schau in ihr Gesicht mit dem verlebten Schnabel. Tango, das ist nicht mein Tanz.

Fortsetzung folgt

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Teil 6

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