Sonntag auf Berlin-Woman: Anton und ich – Die andere Frau. Teil 8

Die blaue Stunde

Sabrina Seligsohn, Fly high, Foto: Sabrina Seligsohn

An 8 Sonntagen wird es hier auf Berlin-Woman um Liebe, Betrug, Flucht aus dem eigenen Leben und Veränderung gehen. Die Berliner Journalistin Kathrin Schrader erzählt uns von „Anton und ich – Die andere Frau„. Die Geschichte wird von den surrealen Bildern der Künstlerin Sabrina Seligsohn begleitet.

Teil 8:

Am nächsten Morgen, nachdem sie gegangen ist, werfe ich alle Textilien, die direkt mit ihr in Berührung gekommen sind, in den Müll. Auch die karierte Wolldecke, in die gehüllt sie gegen fünf Uhr morgens neben meinem Bett aufgetaucht war. Ich saß seit Stunden und starrte aus dem Fenster. Ich sah zu, wie der Kosmos seine helle Seite allmählich in das irdische Guckloch schob. Als die Vögel zu kreischen begannen, hatte ich auf die Uhr geschaut. Halb fünf. Kein Schlaf. Nicht eine Minute.
Sie hatte oben aus der Decke heraus geschaut und vorgeschlagen, dass wir alle drei mal voneinander Abstand nehmen sollten. Für ein halbes Jahr vielleicht.
In der Konferenz, wegen der ich die Londonreise abgelehnt habe, registriere ich, dass um mich herum gesprochen wird, doch der Sinn der Worte kommt nicht bei mir an. „Könnten Sie das bitte wiederholen?“ Nichts davon ist wichtig. Alles ist belanglos.
Mein Ärztin füllt mir weiße Kügelchen in eine Tüte und verspricht, dass sie sofort helfen. Aber was kann schon helfen, wenn einem die Haut bei lebendigem Leib abgezogen wird?
Ich begreife den Blick des Mannes in der Galerie, als er sich noch einmal zu mir umdreht. Etwas Tragisches stand in seinen Augen. Jetzt weiß ich, dass er ein Engel war. Er war gesandt, um mich zu schützen.

Fin!

Aber nicht traurig sein, eine Fortsetzungsgeschichte ist schon in Arbeit.

Kathrin Schrader

Sabrina Seligsohn

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