Sonntag auf Berlin-Woman: Anton und ich – Die andere Frau. Teil 6

Die blaue Stunde

Sabrina Seligsohn, Suffering Pig, Foto: S. Seligsohn

An 8 Sonntagen wird es hier auf Berlin-Woman um Liebe, Betrug, Flucht aus dem eigenen Leben und Veränderung gehen. Die Berliner Journalistin Kathrin Schrader erzählt uns von „Anton und ich – Die andere Frau„. Die Geschichte wird von den surrealen Bildern der Künstlerin Sabrina Seligsohn begleitet.

Teil 6:

Die Frau redet über Anton, immer noch, seine Arbeit, seine Gesundheit, die Sache mit den zwei Frauen. Wie er immer wieder über mich spricht. Wie er sich mit seiner Liebe zu mir quält. Wie sehr sie ihn versteht und sich Sorgen um ihn macht. Sie kennt jeden Streit, den ich mit Anton hatte.
Ich zittere. Ist es wirklich so kalt?
Wir trinken einen Tee bei Starbucks. Er wärmt kein bisschen. Ich zittere immer noch. Wer uns hier sitzen sieht, könnte denken, dass wir Freundinnen sind.
„Erzählen Sie von sich“, fordert sie mich auf.
„Was möchten Sie wissen? Anton hat Ihnen doch schon alles gesagt.“
„Was ist Anton für Sie?“
„Er ist mein Mann“, sage ich.
„Das ist nur eine Bezeichnung, ein Familienstand. Ich meine, was er Ihnen bedeutet?“
„Er ist mir in die Haut geritzt. Wie ein Tattoo. Es ist nicht alles gut mit ihm. Manchmal tut es weh. Was das bedeutet, weiß ich nicht. Es ist was es ist.“
Mein Spiegelbild, das Mädchen an der Bar in den Folies Bergère, ist herausgeputzt in ihrem Korsett mit Spitze und einer Blume am Dekolletee. Sie schaut in die Menge der Leute, die sich amüsieren, denen sie Wein und Champagner eingeschenkt hat. Ein Mann spricht sie an. Ich glaube, sie hat Tränen in den Augen.
Ich kann gerade nicht weinen.

Fortsetzung folgt…

Kathrin Schrader

Sabrina Seligsohn

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