Künstlerinnen an die Macht: Kunst von Frauen im Bundestag, Nr.6

Berlin-Mitte

Sophie Calle, The Detachement 1996, Hammer und Sichel am Palast der Republik, Foto: Berlin-Woman

Auch die BRD ist Sammlerin und Auftraggeberin. Unter ihren 111 Künstlern für “Kunst am Bau” der Regierungsgebäude sind 8 Frauen (7 % Frauenquote) verzeichnet. Ihnen gilt die aktuelle Berlin-Woman-Serie “Künstlerinnen an die Macht“.

Eine Foto- und Textserie schmückt den Übergang vom Marie-Elisabeth-Lüders-Haus zum Paul-Löbe-Haus. Viele Besucher/innen bemerken nicht, dass sie gerade an der Arbeit einer der größten Künstlerinnen unserer Zeit vorbeilaufen: Sophie Calle (*1953). Die Folgen der Wiedervereinigung sind das Thema ihrer Auftragsinstallation für die BRD „Die Entfernung. The Detachement“ (1996). Die Künstlerin suchte und fotografierte Orte in Ostberlin, wo wichtige DDR-Symbole entfernt wurden: „Hammer und Sichel“ am Palast der Republik, Lenin vor der Weißrussischen Botschaft, die Friedenstaube im Nikolaiviertel. Sie befragte Passant/innen und Anwohner/innen. Diese Erinnerungen ergänzte sie mit den Fotos von den Leerstellen der Embleme. Die emotional stark aufgeladenen Zeitzeugenberichte fallen sehr unterschiedlich aus. In der Kombination der Fotos mit den Erinnerungen zeigt Sophie Calle, wie „Gedächtnis“ funktioniert. Das Bezugsobjekt ist von den eigenen Gefühlen und Geschichten überlagert. Teilweise wird es so unterschiedlich wahrgenommen, dass  keine einheitliche Zuordnung mehr möglich ist.  Sophie Calle hat sich mit Aktionen zu elementaren Identitätsfragen einen Namen gemacht. Sie observierte Unbekannte und Freunde und ließ sich selbst durch einen Privatdetektiv verfolgen, auf den sie wiederum einen Beobachter ansetzte. Die dazugehörigen Dokumentationen verdeutlichen, dass Informationsdichte nicht für die Nähe zum, sondern für die Entfernung vom „Objekt der Begierde“ sorgt.

Mehr zu Sophie Calle bald auf Berlin-Woman.

Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, Schiffbauerdamm, 10117  Berlin

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