Sonntag auf Berlin-Woman: Anton und ich – Die andere Frau. Teil 4

Die blaue Stunde

Sabrina Seligsohn, Meerjungfrau, Foto: S. Seligsohn

An 8 Sonntagen wird es hier auf Berlin-Woman um Liebe, Betrug, Flucht aus dem eigenen Leben und Veränderung gehen. Die Berliner Journalistin Kathrin Schrader erzählt uns von „Anton und ich – Die andere Frau„. Die Geschichte wird von den surrealen Bildern der Künstlerin Sabrina Seligsohn begleitet.

Teil 4:

„Wo haben Sie sich getroffen?“
Sie erzählt von einer Messe, auf der sie Anton das erstemal gesehen und wie sie in der Nacht darauf erwacht ist und plötzlich wusste, dass sie diesen Mann kennenlernen muss, wie sie ihn am nächsten Tag bei einem Geschäftsessen gefragt hat, welche Musik er mag und er ihr die Antwort auf einem kleinen Zettel über den Tisch geschoben hat. Es sei das Ticket seines Hotels mit der Zimmernummer gewesen. Wie sie das erste Mal neben ihm aufgewacht ist und dachte, sie sei Anton, mit ihm verschmolzen. „Diese Nähe bis zur Selbstauflösung“, sagt sie. „Das habe ich mit noch keinem Mann erlebt.“
Sie senkt den Kopf. Die langen, dunklen Haare fallen vor das Gesicht. Es ist eine Pose. Sie schämt sich kein bisschen. Sie ist es gewohnt, jeden Mann und jede Frau zu besiegen. Der Spiegel gibt immer zu ihren Gunsten Auskunft. Sie ist Schneewittchen.
„Und dann? Wie ging es weiter? Wo haben Sie sich getroffen? Wo geliebt? Bei Anton? In diesem Bett in seiner Wohnung, in dem…“ Sie nickt.
Aber wie ist das möglich? Wir telefonieren doch jeden Abend, jede Nacht, manchmal dreimal am Abend. Wenn wir nach Hause kommen, wenn wir gegessen haben und wenn wir ins Bett gehen. Antons Wohnung ist klein.
„Liegst du schon im Bett?“
„Ja.“
„Was hast du an?“
„Ein T-Shirt. Eines, das du getragen hast, als du letztes Wochenende hier warst. Es duftet noch nach dir.“
„Wie war das, wenn ich angerufen habe?“ Die andere Frau kann sich an keinen Anruf erinnern.

Fortsetzung folgt…

Kathrin Schrader

Sabrina Seligsohn

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