Sister Fa! Der HipHopstar im Exklusivinterview auf Berlin-Woman

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Sister Fa auf ihrem Konzert am 27.08.2011, Foto BW

Die senegalesische Sängerin Sister Fa ist eine Berlin-Woman.  Mit ihrer Band spielt sie fantastischen Rap, Soul, Afropop, World und Reggae.  Wir haben Sister Fa getroffen und ausführlich mit ihr gesprochen. Sister Fa engagiert sich in eigenen Aufklärungskampagnen für die Menschenrechte afrikanischer Frauen. Dafür braucht sie unsere Unterstützung. Besucht ihre wunderbaren Konzerte, kauft ihre CDs und spendet für ihr Engagement! Hier das Exklusiv-Interview:

BW: Wann hast du zum ersten Mal gerappt, was war der Anlaß?
SF: Das Rappen war einfach in mir und kam aus meinem Herzen. Ich habe das schwere Leben der Frauen in meinem Land gesehen:  Damals war ich für einige Zeit bei meinen Verwandten auf dem Dorf. Die Frauen müssen sehr hart arbeiten: Sie stehen um 6 Uhr morgens auf, gehen weit zu ihrer Feldarbeit, tragen schwere Bündel. Es ist sehr heiß, sie arbeiten 6 Stunden. Wieder zuhause müssen sie Wasser holen, Feuer machen, Kochen, die Küche machen. Sie haben nur ein paar Minuten am Tag zum Ausruhen. Dazu mache ich meine Musik. Einige Texte und Melodien waren schon immer in mir, es ist die Musik der Diola-Kultur, Lieder für Kinder und Lieder, die man bei der Arbeit singt.  Musik und die traditionelle Kultur sind das einzige, was die Menschen im Süden Senegals haben.

BW: Du kämpfst für das Recht der Frauen in Afrika, vor allem gegen die Genitalverstümmelung. Bitte erzähle uns von deiner Kampagne:
SF: Ich bekämpfe nicht, ich bringe eine gute Botschaft. Damit unterscheide ich mich von den anderen Organisationen, die in Afrika tätig sind. In den Dörfern und Schulen im Senegal  spreche ich vor allem mit den jungen Menschen, die zukünftigen „Opfer und Täter“. Mit ihnen rede ich über die gesundheitlichen Konsequenzen der „Beschneidung“. Ich bezeichne es bewußt so und niemals als „Verstümmelung“. Wir müssen das Tabu brechen, wir müssen an der Basis arbeiten, wir müssen für Prävention und damit für die Zukunft sorgen. Noch sind 70 % Frauen im Süden Senegals beschnitten. Neben den Gesundheitsschäden sind diese Frauen traumatisiert. Sie fühlen sich nicht „vollständig“, sie fühlen sich „beraubt“. Ich weiß wovon ich rede, ich bin selbst betroffen.

BW: Darf ich dich fragen, wie dein Beschneidungserlebnis war. Das hilft, die Kampagne und ihre Reichweite zu verstehen:
SF: Aber natürlich, das ist wichtig. Ich lebte bei meinen Verwandten auf dem Dorf. Ich war sehr klein. Es gab eine Zeremonie, sagte man mir. Da waren viele andere Mädchen, mit denen ich gespielt habe. Es war wie eine große Party. Dann haben sie uns in ein Zelt gebracht und beschnitten. Ich sah mein Blut an den Beinen, es tat weh, es war schrecklich. Danach wurden uns Verhaltensregeln für die Frau erklärt: z.B. wie wir mit Fremden umzugehen hätten usw. Das war wiederum gut, und das sollte auch weiterhin den Frauen vermittelt werden. Aber nur eine körperlich und psychisch gesunde Frau kann diese guten Regeln in die Tat umzusetzen.

BW: Ist die Genitalbeschneidung auch ein Thema für Deutschland?
SF: Aber sicher. Die Migrantenfamilien lassen ihre Kinder weiterhin beschneiden, um zu ihrer alten Comunity zu gehören. Auch hier in Deutschland, und in Berlin müssen wir reden. Die Hebammen, Kinderärzte und Erzieherinnen müssen für das Thema sensibilisiert werden. Sie sind oft die einzigen Kontaktpersonen von außerhalb zu den Migrantenfrauen. Sie können Vorsorge und Nachsorge leisten und wesentlich zur Aufklärung und Beendigung des Rituals beitragen.

BW: Seit 2002 bist du professionelle Muskerin und hast eine eigene Band. Es sind fast alles Männer: Sebastian Strahl, Sebastian Konkol, Philipp Schmitt. Teilen sie deine Message?
SF: Unbedingt. Es sind alles professionelle Musiker und Aktivisten. Sie sind bei meiner Kampagne 2008 und 2010 jeweils 3 Wochen ehrenamtlich mit in den Senegal gefahren. Sie sagen, dass alle Kinder der Welt wichtig sind. Wir sind wie eine Familie und wir fühlen uns für eine lebenswerte Zukunft verantwortlich!

Berlin-Woman steht hinter Sister Fa, hinter ihrer Musik und ihrem Einsatz für die Menschenrechte. Wir werden regelmäßig berichten!

Aktuelle Auftritte: 02.09.2011: World Fusion Festival, PL. 29.10.2011, Africa Day Den Haag, NL.

Sister Fa

Sister Fa, Video

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