Sibylle Bergemann. Polaroids

Berlin-Mitte

Auf ihrem Sofa saßen Henri Cartier Bresson, Helmut Newton, Barbara Klemm. Sie fotografierte die weiblichen DDR-Stars: Angelica Domröse, Katharina Thalbach, Nina und Eva Maria Hagen. Sie machte totschicke „sozialistische“ Modefotos: Sibylle Bergemann (1941-2010), die Grand-Dame der Kunstfotografie in Ostdeutschland. Aktuell widmet ihr das C/O Berlin eine Ausstellung der besonderen Art:

Anfangs nutzte Sibylle Bergemann die Polaroid-Technik nur zur Kontrolle ihrer Auftragsfotografie. Dann entdeckte sie, wie sehr ihr das Einmalige, Flüchtige, Spontane und Zauberhafte dieses Mediums zusagte. Und machte daraus eine eigene Sparte ihrer fantastischen Fotokunst. 140 ihrer Polaroids aus dem Besitz des Leonhardi-Museums Dresden sind nun im C/O Berlin zu bestaunen. Ein weißer Engel im hohen grünen Gras, surreale Puppen, rote Rosen im Rauhreif, Miniaturporträts, Momente zwischen professionellen Modeshootings,  guckkastenähnliche Bühnenszenen und Mädchen mit Blütenkränzen, Kronen und dem Schleierhut von Mama, bevölkern die kleinen Originale. Läßt frau sich auf sie ein, so fühlt sie sich in die Frühzeit der Fotografie zurückversetzt. In ein Damals, als die Menschen noch dachten, der Fotoapparat raubte die Seele. Die Polaroids von Sibylle Bergemann sind seelenhaft und voller Magie. 140 wunderbare Kunstoriginale, die Berlin-Woman wärmstens empfehlen kann. Der Film, der in der Ausstellung über Sibylle Bergemann gezeigt wird, führt uns das Vorbild einer kreativen Unternehmerin vor Augen. Trotz schwierigster Bedingungen setzte sie sich als alleinerziehende Künstlerin in der DDR durch und gelangte zu großem Erfolg. Das Gütesiegel Berlin-Woman hat sie ja bereits!

Sibylle Bergemann, Polaroids, C/O Berlin, Oranienburger Str 35/36, 10117 Berlin, täglich 11:00—20:00 Uhr, 10/5 €, bis 04.09.2011

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