Berlin-Women: Zwei Marien. Zwei Initiativen. Das feministische Berlin und das frauenbewegte Krakau

Berlin-Women

 

 

Unser heutiger Gast ist die Historikerin Iwona Dadej. Sie promoviert an der FU Berlin über die polnische und deutsche Frauenbewegung um 1900. Iwona ist Mitbegründerin des Feministischen Historischen Salons in Warschau. Sie lebt in Berlin und berichtet hier in 6 exklusiven Berlin-Women Folgen über „Zwei Marien. Zwei Initiativen“:

Persönlich sind sie sich höchstwahrscheinlich nie begegnet. Sicherlich aber haben sie sich gegenseitig zur Kenntnis genommen und vermutlich auch geschätzt. Die eine Maria verbrachte ihr ganzes Leben in Berlin; die zweite Maria machte die Stadt Krakau (Kraków) in Polen zum Mittelpunkt ihres Lebens. Beide haben sich für ihre jeweilige Heimatstadt verdienstvoll eingesetzt. Was haben die beiden Marien Gemeinsames, außer ihrem biblischen Namen?

1. Fräulein Maria aus Spandau

Das Leben und Wirken der Maria Lischnewska sind in Vergessenheit geraten. Lischnewska war eine Lehrerin, aktiv in der Berliner radikalen Frauenbewegung, zu der Minna Cauer, Anita Augspurg und Else Lüders gehörten. Sie ist eine der Frauen auf dem berühmten Kongressfoto der fortgeschrittenen Frauenvereine 1901 im Reichstag. Ein Portrait, das unmittelbar aus dieser Zeit stammt, zeigt uns eine Dame mit hochgebundenem Haar in besten Jahren mit strengem, nachdenklichem Blick. Sie ist es: Fräulein M. Lischnewska aus Spandau. Ihr Leben ist vom Einsatz für die Frauen von Berlin geprägt: Sexualreform, Frauenwahlrecht, Zugang zu Studium und Bildung, zu denen sie mehrere Broschüren um 1900 herausgab. Wer war dieses Fräulein Maria, die ideologische Gräber zwischen den Lagern der deutschen Frauenbewegung überschritt, indem sie sowohl bei den radikalen als auch bei den gemäßigten Frauen Gehör fand? Welcher Familie entstammte sie, wie verlief ihr Lebensweg und ideeller Werdegang? Wen machte sie zu ihrer Familie? Die Fragen kann ich nicht ausführlich beantworten, denn Maria wartet immer noch auf eine wissenschaftliche Biographie. Fortsetzung folgt.

Iwona Dadey, FU Berlin

Iwona Dadey, WZB

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