Rappen gegen ein Tabu: Sister Fa für die Menschenrechte der afrikanischen Frauen

Charity

Sister Fa und Johanna Richter am 11.08.2011, Foto: Berlin-Woman

Die Berlin-Woman Sister Fa ist eine Powerfrau. Sie singt vom Tabu, von den seelischen, gesundheitlichen und kulturellen Folgen der Genital-verstümmelung und davon, dass diese Praxis ein Ende nehmen muss.  Ihr unverblümter Hip Hop erreicht die Menschen dort, wo das gesprochene Wort aufhört. Gestern war Sister Fa im Saalbau Neukölln. Ein bewegender, einprägsamer Abend unter der kompetenten Leitung der Kulturwissenschaftlerin Johanna Richter:

Sister Fa (Fattou Mandiang Diatta) stellte gestern im Saalbau Neukölln ihre Kampagne gegen die Genitalverstümmelung vor und zeigte den Film „Education sans Excision“ (Erziehung ohne Beschneidung, 2010).  Es gibt 4 Härtegrade der weiblichen Beschneidung: von der Verletzung, über die Teilverstümmelung und Beschneidung bis hin zur Vernähung der Schamlippen. In den vergangenen 3.000 Jahren wurden 130 Mio. Frauen verstümmelt, heute sind es weltweit 2 Mio. jährlich. Es ist eine religionsübergreifende Praxis, die zu Traumatisierung, Infektionen und Tod im Kindbett führt. Sister Fa ist selbst betroffen, sie weiss, welche Sprache sie mit den „Opfern und Täter/innen“ teilen kann. Sie spricht und singt in Schulen und Dorfgemeinschaften ihres Heimatlandes. Sie gibt ihrem Gegenüber Raum, ebenfalls zu sprechen, zu singen und zu tanzen.  Sie will nicht den Kampf, sondern Aufklärung und Networking. 2015, so hoffen die weltweit aktiven NGOs, soll es die Beschneidungspraxis nicht mehr geben.  Im September reist Sister Fa wieder in den Senegal, um Künstler und andere Aktivisten vor Ort zu mobilisieren. Am 27.08.2011 spielt sie mit ihrer Band auf dem Sommerfest am Rüdesheimer Platz in Berlin-Wilmersdorf/Friedenau. Weiteres dazu folgt auf Berlin-Woman.

4 Gedanken zu „Rappen gegen ein Tabu: Sister Fa für die Menschenrechte der afrikanischen Frauen

  1. Danke liebe Ulla Wonder, für deinen Kommentar als Expertin der HipHop-Szene. Sister Fa ist mit ihrer Musik und ihrer Message einzigartig. Sie braucht unseren Support!

  2. Sister Fa ist Inspiration und Vorbild für uns alle, Unterdrückung und Verletzung der Menschenrechte – in welcher Form auch immer – aktives Handeln entgegenzusetzen. Ich bewundere sehr, wie mutig und zielstrebig sich die Rapperin – allen gewiss erlebten Einschüchterungsversuchen zum Trotz – für die Aufklärung über FGM in ihrer Heimat engagiert. Dass sie sich für das Erreichen ihres Ziels die positive Macht des HipHop zu Nutze macht und somit insbesondere die junge und jugendliche Bevölkerung Afrikas erreicht, halte ich für eine zukunftsweisende Strategie, die Vieles bewegen kann. Denn in den Händen der heutigen senegalesischen Jugend liegt die Entscheidung über die gesellschaftliche Realität von morgen.

  3. ein ergreifender, gerade deswegen großartiger Bericht. Es darf einfach nicht sein, dass ein Teil der Menschen auf diese gräßliche Art unterdrückt wird. Der Kampf gegen die Genitalverstümmelung verdient unser aller Unterstützung, Uli

  4. Das Thema ist für viele sicherlich fremd. Aber gestern erzählte uns Johanna Richter, dass sich die Genitalbeschneidung als Intimchirurgie auch hier verbreitet. Zudem wird die Tradition der Genitalverstümmelung bei den Migranten weiter aufrecht erhalten. Das Thema ist längst bei uns gelandet!

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